Neue Platten

Vinicius Cantuária - Canta Antonio Carlos Jobim

Genre: Brasil
Label: Sunnyside Records (Harmonia Mundi)
CD; VÖ: - 14.08.2015

Das Covern von Kollegen oder altehrwürdigen Meistern ist unter brasilianischen Musikern quasi ein Volkssport. Kaum einer, der nicht irgendwann oder irgendwie bereits anderweitig erfolgreiches Material durch seinen eigenen Fleischwolf gedreht hat. Fast erscheint einem diese Manie schon wie ein ritualisierter Vorgang. Ob Vinicius Cantuaria da nun einfach mal mitziehen wollte oder ob die Musik von Antonio Carlos Jobim ihm eine echte Herzensangelegenheit war (bzw. ist), soll dahingestellt bleiben, wir gehen aber eher von Letzterem aus. Unterstützt wird diese Annahme noch durch die Tatsache, dass Cantuaria gleich ein ganzes Album mit Covern gefüllt hat, 13 an der Zahl. (Ironie am Rande: Tom Jobim hatte im Jahr 2000 ein Live-Album herausgebracht, das genau anders herum hieß: „Tom Canta Vinicius”. Gemeint war allerdings Vinicius de Moraes).
Nun also Vinicius canta Tom. Wie zu erwarten eine sehr intime und introvertierte Angelegenheit. So wie man Cantuaria bisher eigentlich immer kannte: ein ruhiger, in sich gekehrter Musiker, ein stilles Wasser, allerdings mit enormem Tiefgang. Und wie auch auf seinen vergangenen Aufnahmen hat er sich auch diesmal wieder mit exzellenten Musikern umgeben: Bill Frisell, Ryuichi Sakamoto, Celso Fonseca, Joyce und Melody Gardot, um nur einige zu nennen. Alle Interpretationen tragen unverkennbar den Cantuaria-Stempel, der sich diesmal zuvorderst in seiner warmen und zugleich auch etwas angerauhten Stimme äußert, die so manches mal an Caetano Veloso erinnert. Selbst so abgenudelte Klassiker wie „Garota de Ipanema” oder „Felicidade” verwandeln sich unter der Regie von Cantuaria zu sorgsam aufpolierten Schmuckstücken. Man kann also bedenkenlos zugreifen. Cantuaria macht auch als Coverinterpret eine ziemlich schlanke Figur.

www.vinicius.com

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