Neue Platten

Tuxedomoon, Cult With No Name - Blue Velvet Revisited

Genre: Indie /Elektronik
Label: Crammed Discs (Indigo )
CD; VÖ: - 16.10.2015

Ein Album mit einer etwas umfangreicheren Vorgeschichte. Jeder halbwegs interessierte Kino-Fan kennt David Lynchs „Blue Velvet” mit Isabella Rossellini, Dennis Hopper, Laura Dern und Kyle MacLachlan in den Hauptrollen. Weniger bekannt dürfte der deutsche Filmemacher Peter Braatz (aka Harry Rag) sein, der 1985 auf Einladung Lynchs uneingeschränkten Zugang zum Set des späteren Kultstreifens erhielt. Er sammelte emsig filmisches Hintergrundmaterial, viele Interviews und jede Menge Photos. Aus diesem Fundus entstand Jahre später ein Dokumentations­projekt namens „Blue Velvet Revisited”, das 2016 in die Kinos kommt. Was allerdings noch eine geraume Zeit lang fehlte, war ein passender Soundtrack. Auf diesen stieß Peter Braatz per Zufall. Er hörte das Album „Above As Below” der englischen Elektro-Postpunk-Band „Cult With No Name”. Den Song „As Below” benutzte er als Soundunter­malung für den Filmtrailer. Aber bald war klar, dass diese Musik auch perfekt zum ganzen Film passte, der als eine Art Stummfilm konzipiert war. So kontaktierte er Erik Stein und Jon Boux von CWNN und man begann zu arbeiten. Sie wiederum holten die amerikanisch-belgische Formation „Tuxedomoon” mit ins Boot, denn den Trompetenpart aus „As Below” spielte der seit 1983 für Tuxedomoon arbeitende Luc van Lieshout, was wiederum für Braatz ein unbedingtes must-have darstellte. Ende 2015 war der Soundtrack fertig und hört laut Aussage von Peter Braatz auf den Namen „traumhaft”.
Dieses Statement kann zu 100 Prozent unterschrieben werden. Das knapp 1-stündige Opus gehört mit zu den beeindruckendsten Soundtracks, die jemals komponiert wurden, denn es ist Musik wie aus einem Guss und kein mühsam angefertigtes Stückwerk. Sowohl CWNN als auch die Mitglieder von Tuxedomoon haben in genialer Weise Klassik, Jazz, Ambient-Elektronik und Kraurock zu einer homogenen Masse verwoben, die einem Gänsehaut über den Rücken jagen kann und für tiefste Entspanntheit sorgt. Allein schon Blaine Reiningers Violinenspiel lohnt den Kauf dieser CD. Aber auch der für ein 9-Minutenstück involvierte John Foxx (Ultravox) sorgt mit geheimnisvollen Soundscapes für ein weiteres Highlight dieser bestechenden, ausgeglichenen Produktion.

www.tuxedomoon.co
www.cultwithnoname.net