Neue Platten

Anneli Drecker - Rocks & Straws

Genre: Indie Pop
Label: Rune Grammofon (Cargo)
CD; VÖ: - 23.10.2015

Es ist schon ein Weilchen her, dass Anneli Drecker mit einem Album in Erscheinung trat. Ihr letztes kam 2005 heraus und ist daher schon gut 10 Jahre alt. Dazwischen lag etwas Röyksopp, etwas Jah Wobble, etwas Ketil Bjørnstad sowie das schweisstreibende Leben einer Mutter, die inzwischen 3 Kinder großzuziehen hat. Kein Wunder also, dass „Rocks & Straws“ allseits mit großem „Oh“ und „Ah“ zur Kenntnis genommen wurde – in Norwegen bereits im April d.J. Die Norwegerin mit deutschem Pass hat sich viel Zeit gelassen und sich in dieser Interimszeit u.a. ausgiebig mit ihrem Landsmann Arvid Hanssen auseinandergesetzt, einem sogenannten „Kultpoeten“, der eine intensive Verbindung mit der Landschaft Skandinaviens pflegte und in dessen verfilmten Roman „Kinder der Erde“ Anneli Drecker 1983 bereits als 14-Jährige die Hauptrolle spielte. Hanssen starb 1998.
Die enge Verbindung zur Lyrik des Dichters indes blieb und hat sich auf „Rocks & Straws“ zu einer musikalischen Hommage manifestiert. Alle Prosa stammt von Hanssen, alle Kompositionen von Drecker. Entsprechend verklärt und feierlich geht es auf diesem Album zu, was, nebenbei bemerkt, immer wieder an die Arbeiten der reiferen Kate Bush erinnert. In der Folge kann das allerdings mitunter aber auch zu einer etwas überzogenen Theatralik ausarten, unterstrichen durch entsprechende Tricks in der Programmierung und dem Einbeziehen der „Arctic Philharmonics“, also einer ordentlichen Ladung Strings. Ein Stück der CD wurde mit einem Maori-Chor aus Neuseeland eingespielt, das allerdings durch unnötige Wiederholungssequenzen glänzt und das inzwischen zum Touristenspektakel verkommene Haka-Ritual erscheint in dem Stück „Oceans’ Organ“ in seiner martialischen Art ein wenig zu dick aufgetragen. Ebenso zwiespältig verhält es sich mit dem Ausflug in den 80erJahre-Simple-Minds-Rock („Green Leaves in the Snow“) und ist daher nur mit leichter Vorsicht zu genießen. Unverkennbar also, dass dieses Album durchaus zweiseitig zu bewerten ist. Einerseits haben wir es hier mit sehr poetischen Versen und deren durchaus eleganter musikalischer Umsetzung zu tun (u.a. durch Eivind Aarset an der Gitarre), andererseits klebt an der Sache aber auch ein wenig unnötig folkiger Zuckerguß, was den Hörgenuss leider etwas eintrübt.

www.annelidrecker.no