Neue Platten

Panzerballett - Breaking Brain

Genre: Metall Jazz
Label: Gentle Art of Music (Soulfood)
CD; VÖ: - 30.10.2015

Es gibt Leute, die stellen sich zum Stressausgleich auf Autobahnbrücken. Oder sie setzen sich mit einem Pausensnack an eine Baustelle, wo Presslufthämmer im Einsatz sind. Und es gibt Musikfreaks, die fahren nach Wacken. Für alle diejenigen muss wohl das Panzerballett geboren worden sein. Ein Bandname, der in seiner Konnotation kaum aussagekräftiger sein könnte – tonnenschweres Getänzele. Da haben wir also eine Münchener Band, die statt sattem Schützengebläse die düstere Schwermetallgitarre mit verknoteten Jazzstrukturen verbindet und ein einsamer Saxophonist gibt seinen streng riechenden Senf dazu. Dazu ein Bollwerk aus Holterdipolter-Drums und Dampframmen-Bass. Zitat Randy Brecker: „Panzerballett ist die erste Band, die ich gehört habe, die Musik wirklich ins 21. Jahrhundert führt.” Gut, der Mann ist inzwischen 70 und lebt noch dazu in Amerika. Da wundert einen diese Aussage nur wenig. Und er kennt vermutlich die finnische Truppe Alamaailman Vasarat nicht, die diesen Sound schon seit rund 20 Jahren drauf hat. Insofern ist die gewöhnungsbedürftige Ausdrucksform vom Panzerballett keineswegs ein Alleinstellungsmerkmal.
„Breaking Brain” bedeutet jedenfalls für die meisten Musikgetreuen 55 Minuten Prügelstrafe, von ein paar lyrischen Alibi-Stellen einmal abgesehen. Das einzig beeindruckende ist der an Epilepsie erinnernde rhythmische Zickzack-Kurs, der, je schneller, desto besser, aber auch irgendwann an Abenteuerlichkeit verliert. Wenn man nämlich nicht gerade Hornhaut in den Gehörgängen hat, geht einem der musikalische Aufruhr schon nach kurzer Zeit auf den Senkel, auch wenn es handwerklich noch so effektvoll rüberkommt. Und den Gastauftritt von Trilok Gurtu kann man sich nur so erklären, dass der in Hamburg lebende Inder natürlich mal vom Panzerballett gehört hat (schließlich gibt es die Formation schon seit gut 10 Jahren) und es vermutlich sehr pfiffig fand, da mal mitmischen zu können. Ein besonderes Highlight ist seine Performance allerdings nicht.

www.panzerballett.de