Neue Platten

Matthias Loibner - Lichtungen

Genre: Drehleier
Label: Traumton (Indigo)
CD; VÖ: - 13.11.2015

Ein Jahr nachdem Donovan seinen „Hurdy Gurdy Man” präsentierte, kam der wirkliche Hurdy-Gurdy-Man auf die Welt. Matthias Loibner ward zu Graz in Österreich geboren. Die Liebe zur Drehleier kam allerdings erst etwas später mit in sein Spiel, so um die 1990er. Die ersten Schritte unternahm er noch in der Balkan-Band seines Freundes Sandy Lopicic, dessen CD „Border Confusions” zur Jahrtausendwende aufgenommen wurde. Bald aber war Spezialisierung angesagt. Die Drehleier verlangte nach mehr individueller Kreativität. Es folgte eine intensive Zusammenarbeit mit der Sängerin Natascha Mirkovic aus Sarajevo, bei der man unter anderem Schuberts „Winterreise” neu interpretiert hatte.
Nun also Matthias Loibner solo bei Traumton. Sicher keine schlechte Adresse für diese extravagante Unternehmung. Der Grazer aus Wien geht hier auf’s Drehleier-Ganze. Sein Instrument ist modernen Anforderungen angepasst, hat einen größeren Tonumfang und kann mehrkanalig verstärkt werde. Daraus ergeben sich große Möglichkeiten, die der Hurdy-Gurdy-Man auch weidlich ausnutzt. Im Booklet zur CD schreibt Andrea Grill: „Mit jedem Hören wächst die Verwandtschaft mit dem, was zuerst von weither kommt…”. Im Klartext: die Sache ist etwas gewöhnungsbedürftig, hat aber Potenzial zu Großem. Aus kleinen Beobachtungen werden souveräne Kompositionen, umgesetzt in kratzige Sounds, die dennoch sehr stimmungsvoll verdichtet sind. Zarte Melodien und harmonievolle, manchmal auch etwas melancholische Stimmungen gibt es zuhauf. Loibner sagt von sich: „Ich bin kein Musiker, ich bin ein Beobachter von menschlichen Regungen und Gefühlen. Worten traue ich nicht und malen kann ich auch nicht. Daher benutze ich meine Musik, um meine Beobachtungen mitzuteilen.” Das ist ihm perfekt gelungen. Die enge musikalische Nische, in der Loibner sich bislang aufhielt, weitet sich durch diese CD.

http://matthias.loibner.net