Neue Platten

Sodagreen - Winter Endless

Genre: Pop
Label: Willlin/Wrasse (Harmonia Mundi)
2 CD + Blu-ray Box-Set - 22.01.2016

Andere Länder, anderer Geschmack. Was bei der Gruppe Sodagreen von der Insel Taiwan als großer Indiepop abgefeiert und mit diversen Preisen überhäuft wird, läuft bei uns bestenfalls als solider Anspruchspop in einer ziemlich überschaubaren Nische, als „Indie” aber wohl kaum. Dafür geht es bei dem Sextett bestenfalls gut weichgespült zu, was im Großraum Asien (oder bei den vielen in Europa stationierten Asiaten) aber auf wesentlich mehr Widerhall treffen dürfte, als in unseren Breiten.
Und da Pomp und Kreativität bei Sodagreen scheinbar im Überfluss vorhanden sind, wollte man mal was ganz Besonderes vom Stapel lassen. Ein Riesenprojekt sollte es sein und das Kind wurde kurzerhand „The Vivaldi Project” getauft, weil nämlich in vier Städten der Welt vier verschiedene Jahreszeiten-Alben aufgenommen werden sollten. Der Frühling fand in Taipei statt, der Sommer in London, der Herbst in Peking und der Winter nun in Berlin. Damit nicht genug. Um das Berlin-Event besonders knuffig werden zu lassen, sind da gleich 2 CDs und eine Blu-ray DVD draus geworden. CD 1 beinhaltet 12 Basissongs, live aufgenommen im ehemaligen DDR-Funkhaus Berlin mit dem German Pops Orchestra unter der Leitung von Bernd Ruf. CD 2 beinhaltet zusätzlich 7 klassische, sehr getragene bis dramatische Instrumental­nummern mit dem Budapest Art Orchestra (zum Teil als Adaptionen der vorangegangenen Popsongs – z.B. von „The Dream of going back to Chernobyl” sowie einer „Ode an den Winter”) und dieser Teil des Box-Sets ist das eigentliche Highlight dieser Veröffentlichung. Schließlich noch die DVD „Live in Nalepa” (i.e. Nalepastraße/Berlin, der Ort des Funkhauses), auf der das ganze dann auch noch optisch festgehalten ist. Dicke Backe im dicken B.
Lohnt sich die Sache? Im Prinzip ja, denn hier wird ein ungewöhnliches Pop-Spektakel aufwändig in Szene gesetzt. Dazu muss man allerdings eine Ader für theatralischen Edel-Pop haben und ein ausgesprochener Fan von Sangesikone Qing Feng Wa sein, ein Jüngelchen Anfang 30 mit eher femininer Stimme. Und man muss natürlich die schwülstige Auspolsterung der Stücke durch ein oppulentes Orchester mögen. Dann fluppt die Sache. Wer anders orientiert ist, für den dürfte die Geschichte vermutlich eher floppen.

www.sodagreen.com.tw