Neue Platten

Strom & Wasser - Reykjavik

Genre: IndiePop
Label: Traumton (Indigo)
Doppel-CD; VÖ: - 29.01.2016

Was man von vielen hört, die sich - aktiv - mit dem Flüchtlingsthema auseinandersetzen: das persönliche Engagement gleicht einer emotionalen Achterbahnfahrt. Neben viel positivem Feedback muss man auch eine ganze Menge Frust ertragen können. Heinz Ratz hat das an vorderster Front miterlebt und das alles wohlgemerkt noch vor dem großen Ansturm. Sein Refugees-Projekt von 2012 bis 2014 gehört nun der Vergangenheit an und der Wunsch nach einem kulturellem Neustart hat sich fast zwangsläufig ergeben. Heinz Ratz will sich in nächster Zukunft also mit dem kulturellen Reichtum des europäischen Kontinents befassen. Musikalisch natürlich. Erste Station: Island. Ein Land mit vielen Siegeln und einer grandiosen Landschaft. Von beidem kann man sich beflügeln und inspirieren lassen. Deswegen ist „Reykjavik” auch ein Doppel­album geworden: CD 1, die Hamburg-Sessions und CD 2, die Reykjavik-Sessions.
Zusammen mit einer Latte von isländischen Musikern (darunter die Sängerin Ragga Gröndal) haben sich Ratz und seine Kumpels von „Lavamädchen“ zu „Fernlaternchen“ gearbeitet und von „Orpheus“ bis „Professor Muck“. Insgesamt sind es 19 Stücke geworden. Viel Arbeit hat der Kieler dabei wie immer in seine teils poetischen, teils aber auch sozialkritischen Texte gesteckt. Entweder lässt er diese von der anmutigen Stimme Gröndals interpretieren, teilweise steht er selbst am Mikro. Leider ist er kein guter Sänger, daher herrscht an diesen Stellen nur knarzender Sprechgesang vor. Musikalisch bietet diese Doppel-CD eher Hausmannskost mit leichtem Indiegeschmack, zwischen Rock, Blues, Folk und Hiphop, der leider eher nervt als glücklich macht. Bei der ersten CD hört man noch gespannt zu, bei der zweiten verliert man schon eher mal die Geduld, da einiges redundant wirkt. Angesichts der schicken Aufmachung und des 4-monatigen logistischen wie kreativen Aufwands, der hier getrieben wurde, ist dieses Album am Ende dann doch eine leichte Enttäuschung.

www.strom-wasser.de

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