Neue Platten

Magnetic Ghost Orchestra - Sand

Genre: Bigband Jazz
Label: New Ways Records (HHV)
CD; VÖ: - 29.01.2016

Ein bemerkenswertes Scheibchen in Sachen Bigband-Jazz ist das Album „Sand” des Berliner Magnetic Ghost Orchesters. Bemerkenswert deswegen, weil hier zur Abwechslung mal ganz anders mit diesem altehrwürdigen Bandgefüge umgegangen wird. Das MGO besteht aus ca. 17 Musikern, mit eingeschlossen der Bandleader und Gitarrist Moritz Sembritzki. Soweit noch nichts Ungewöhnliches. Interessant wird es aber gleich nach dem Einlegen der CD. Schon während des Eröffnungs­stücks „Knocking” weitet sich der Horizont zu überraschender Breite und wenn die beiden Sängerinnen dazustoßen, wird aus der sonst üblichen Bigband-Biedermann-Kiste ein richtig spannendes Up-to-date-Ensemble.
Moritz Sembritzki hat mit diesem Album versucht, Traumvorgänge in klingende Münze zu verwandeln. Jeder der schon mal wirres Zeug geträumt hat, wird wissen, dass daraus eigentlich nur ein musikalisches Chaos entstehen kann. Komischerweise haben es die Musiker aber trotzdem verstanden, aus dieser chaotischen Vorgabe ein ungemein packendes und freischwebendes Projekt zwischen Speed-Jazz, Avantgarde-Pop und Freistil zu machen. Alle Musiker haben sich von traditionellen Altlasten erfolgreich verabschiedet und musizieren entsprechend innovativ. Das Sahne­häubchen dieser jungen Truppe sind jedoch die beiden Sängerinnen Lea W. Frey und Aylin Winzenburg, die meistens im Duett agieren und sich kontrastreich wunderbar ergänzen. Die eine ist im Indie-Jazz zuhause, die andere als Sopranistin auch in der Klassik unterwegs. Träumen kann also auch ganz schön anregend sein, wie diese Platte eindeutig beweist. Von einer Alptraumerfahrung kann hier also nicht die Rede sein.

www.magneticghost.de