Neue Platten

Leningrad - Hleb

Genre: Eastern Rock/Ska
Label:Eastblok (Indigo)
CD, VÖ - 28.04.2006

Mit der Gruppe Leningrad ist es wie mit Mütterchen Russland: einerseits ist es einem manchmal nicht so ganz geheuer, andererseits kann man sich einer gewissen Faszination nicht entziehen. Einerseits hauen die Rocker mit ihrer derben und heftigen Art ordentlich auf die Kacke, andererseits sind die Mannen um Segey Shnurov aber auch jederzeit in der Lage, anrührende und sentimentale Seiten zu zeigen. Schimpfwörter-Tiraden, Underground-Attitüde, Traditionsmelancholie und TurboRock liegen nur allzu nah beieinander. Und wenn man auch noch in Moskau Auftrittsverbot bekommt, skandalöse Videos dreht, sich vehement gegen den musikalischen Mainstream stellt und dann trotzdem noch als eine der russischen Top-10 Bands gehandelt wird, dann muß schon was dran sein an dieser Kombo.
Und in der Tat ist, „Hleb” die erste bei uns offiziell gehandelte Scheibe von Leningrad, eine geballte Ladung Energie. Harter Rock, knackige Ska-Rhythmen, Gulag-Punk über Sex & Drugs & Rock ‘n’ Roll bis hin zu stillen Balladen. So was kommt in Russland vor allem bei der jüngeren Fraktion gut an und hier im Westen liebt man die russischen Bands eben auch wegen ihrer spontanen und ehrlichen Direktheit. Denn das, um was es in den Songs von Lenigrad geht, ist russische Alltags-Realität, die jeder zwischen Moskau und Wladiwostok nur allzu gut kennt: Hoffnungslosigkeit, Liebe, Tod, Armut, Alkohol, Sex. Mit einer fast schon orchestralen Oppulenz gehen Leningrad zu Werke: bis zu 15 Mann toben auf der Bühne herum, bewaffnet mit Schlagzeug-Batterien, einer Hardcore-Rock-Ausrüstung, einer mehrfachen Bläser-Besetzung und einer multiplen Sound-, Fear- und Horrorshow. Eine Anarcho-Kiste der besonders interessanten Art, die sich wohltuend von dem absetzt, was man aus unserer Rockliga so gewohnt ist.

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