Neue Platten

Telmo Pires - Ser Fado

Genre: Fado
Label: Traumton Records (Indigo)
CD; VÖ: - 11.03.2016

Dass Telmo Pires das sonnige Lissabon nun endgültig dem meteorologisch eher durchwachsenen Berlin vorgezogen hat, ist nur allzu verständlich. Liegen doch in Portugals Hauptstadt nicht nur die durchschnittlichen Wohlfühltemperaturen um einiges höher, dort sind auch die Maschen seiner Lieblingssportart, dem Fado, weitaus enger geknüpft. Und um diese intensive Beziehung quasi noch weiter zu untermauern, hat Pires sein neues Album konsequenterweise „Ser Fado“ getauft, also „Fado sein“ und etwas weiter gedacht „Ich bin Fado“. Ein klares Statement - der Mann macht keine halben Sachen, bzw. er lässt sich nicht, wie viele seiner Artgenossen, zu einer modernen Aufweichung des altehrwürdigen Fado hinreißen.
Konnte man auf dem Vorgängeralbum Fado Promessa vielleicht noch leichte Andeutungen eines sachte aktualisierten Fados entdecken, so begibt sich Pires nun wieder ganz auf die klassische Schiene zurück. Sowohl bei dem Songmaterial, wo er auf ausgesuchte Komponisten der klassischen Fado-Szene zurückgreift, als auch bei dem Instrumentarium. Vor allem die „guitarra portuguesa“ nimmt hier einen prominenten Platz ein, neben der „viola de fado“, dem Kontrabass, einer Concertina und einer Oboe.
„Ser Fado“ steht in Sachen ergreifender Authentizität den vielen Alben der weiblichen Konkurrenz in nichts nach. Pires versteht es aber vielleicht noch etwas besser, der doch ansonsten eher geschraubten Musik eine glaubhaft leidenschaftliche Seite abzuringen. Besonders gute Beispiele sind der folkloristisch angelegt Song „Ao passar por Braga abaixo“ und das melodramatische „Malaventurado“, strictly a-cappella. Fado ist dank seiner südländischen Dramatik nicht unbedingt jedermanns Sache. Telmo Pires ist allerdings ein Fadisto mit außergewöhnlichem Charisma und daher für Kenner dieser Musik unbedingt zu empfehlen.

www.telmopires.com