Neue Platten

Nina Reiter - Night, Sleep, Death and the Stars

Genre: Jazz
Label: Unit Records (Harmonia Mundi)
CD; VÖ: - 15.03.2016

Für einen thematischen Aufhänger muss man sich schließlich entscheiden, will man als Debutantin in Sachen Vocal-Jazz irgendwie Eindruck machen. Am besten entscheidet man sich für etwas, was auffällt. Die österreichische Sängerin Nina Reiter hat sich für etwas Gruftiges entschieden. Rein äußerlich gesehen also für schwarze Kleidung und draculamäßig gefärbte Augenlider und als musikalisches Sujet für alles, was mit Nachtaktivitäten und Traumwelten zusammenhängt. Zentrales Werk dieser CD ist dementsprechend eine 16-minütige „Night­mare-Suite”, die sich allerdings, wie auch der Rest dieses Albums, als weit weniger düster entpuppt, als es der rote Faden angeblich vorgibt. Die instrumentalen Unterstützer der Wahl-Schweizerin hantieren ganz traditionell mit Piano, Bass und Drums.
„Night, sleep, death and the stars” beginnt mit einer verjazzten Umsetzung eines Walt Whitman Gedichts aus dem Zyklus „Calamus“ mit dem Titel „Stadt der Orgien“, ist aber letztendlich nichts anderes als herkömmlicher, swingender Modern Jazz, garniert mit einer teilweise etwas enervierenden Stimmartistik, was angeblich Ausdruck der persönlichen Traumwelten der Sängerin sein soll. In der Folge behandelt die Band noch Kompositionen von Thelonious Monk und Dizzy Gillespie, die aber auch nicht aus dem Rahmen des Üblichen fallen. Zudem leidet die Vokalarbeit Reiters über die gesamte Länge der sieben Stücke unter einer überhöhten Hervorhebung des amerikanischen Akzents, was vermutlich als besonders jazzauthentisch gedacht war. Wirklich überzeugen kann lediglich das Herrentrio. Nina Reiter dagegen agiert nur wenig glaubhaft, eher übertrieben ambitioniert.

www.nina-reiter.com