Neue Platten

Barry Adamson - Stranger On The Sofa

Genre: Independant-Pop
Label:Central Control (Alive)
CD, VÖ - 09.06.2006

CDs von Barry Adamson waren noch nie eine einfache Easy Listening Übung, auch wenn manche Songs, die seiner Feder entsprungen sind, durchaus in diese Schublade einzuordnen wären. Nach seinen letzten bei Mute veröffentlichten Alben hat sich der ehemalige Bad Seeds Musiker nun auf ein kleines Indie-Label zurückgezogen, dort aber genau das fortgesetzt, womit er bei seiner langjährigen Fangemeinde immer wieder für Bewunderung dank seiner unglaublichen Vielschichtigkeit gesorgt hat. Schon der Einstieg in „Stranger On The Sofa” ist ein Blick in die dunkle Ecke des Adamson’schen Ideenfundus. Anna Chancellor (mit einer Stimme ähnlich der von Marianne Faithful) rezitiert düstere, morbide Prosa, unterlegt mit mysteriösen Klangskulpturen aus der Unterwelt. Doch dann der erste Blick ins gleißende Licht: Ein luftiger Folksong mit Mundharmonika, Hammondorgel und einem Blick zurück in die Vergangenheit, wie er harmonischer kaum sein kann. Wer sich nun aber in ruhigem Fahrwasser wähnt, wird schnell eines besseren belehrt. Das 8-minütige „Officer Bentley’s Fairly Serious Dilemma” ist ein wunderbares Lehrstück für Adamsons Unberechenbarkeit. Aus einem locker angedeuteten Popsong entwickelt sich schnell ein apokalyptischer Ritt durch amerikanisches Street-Crime-Ambiente, schwer zu fassen, stressig mitzuverfolgen und kaum dazu angetan, Wohlgefühle aufkommen zu lassen. Hat man dies allerdings erst einmal hinter sich gelassen, tritt wieder der Mann zutage, den wir so lieben: Adamson in seinem Element, treibende jazzige Beats mit knackiger Perkussion, Schweineorgel, Querflöte, satten Bläsern und fettem Groove. Es folgen herrliche Exkursionen in cineastische Soundscapes, ambiente Gebilde zwischen Traum und Wirklichkeit, voll von melancholischer Eleganz, dann aber auch wiederum in ein Bigband-Arrangement eingebettete Selbstgespräche, die aus einem Science-Fiction Thriller stammen könnten. Alles hat leider aber auch ein Ende, so auch diese großartige CD. Barry Adamson, der Künstler zwischen Licht und Schatten, zwischen Jazz, Pop und Elektronik hat sich mal wieder selbst übertroffen. Absolut hörenswert.

www.barryadamson.com