Neue Platten

Danielle de Picciotto & Alexander Hacke - Perseverantia

Genre: Avantgarde
Label: Potomak (Indigo)
CD; VÖ: - 06.05.2016

Ziemlich rauh und düster erweist sich der Einstieg in dieses eigenwillige Opus. Hypnotische Klangkollagen aus Gitarrensounds jagen erst einmal als Sturmwolken durch den Raum und machen über zehn Minuten lang deutlich, dass es sich bei „Perseveratia” nicht gerade um musikalischen Smalltalk handelt, sondern um ganz spezielle „Nomadenmusik”. Warum Nomadenmusik? Danielle de Picciotto und Alexander Hacke haben vor einigen Jahren ihren Wohnsitz in Berlin aufgegeben und bereisen nun den Globus. Daher wurde auch dieses Album vorwiegend in der kalifornischen Mojave-Wüste aufgenommen.
Das Paar de Picciotto/Hacke befindet sich mitten in einem künstlerischen Prozess, bei dem es vorwiegend um die Suche nach persönlichen Freiräumen geht, um das Erforschen von Prinzipien und Philosophien. Klingt schwierig, wird aber von beiden mit beachtlicher Hingabe umgesetzt und fast schon mit schamanischer Inbrunst ausgefüllt. Perseverantia ist, bis auf wenige spoken-word-Passagen, ein vorwiegend instrumentelles Album, das sich nach anfänglichen Energieschüben etwas weniger aufbrausend, aber immer noch schemenhaft genug, fortsetzt. Einer melancholischen Grundstimmung folgend, werden Instrumente wie Violine, Autoharp, Drehleier, Schlagzeug, Bass, Gitarren und elektronische Hilfsmittel immerfort dazu eingesetzt, die schöpferischen Ideen der beiden Protagonisten konsequent umzusetzen. Musik als ein Gegenentwurf zur grassierenden Gentrifizierung, die sich dabei immer wieder apokalyptischer bis aufwühlender Klangbilder bedient, ganz im Sinne der Einstürzenden Neubauten, bei denen Hacke jahrelang den Bass bediente. Ummagummasounds für Fortgeschrittene.

www.danielledepicciotto.com
www.hacke.org

Weiterhören:
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