Neue Platten

Hungarian Noir - (V. A.)

Genre: Historisch Polpulär
Label: Piranha (Indigo)
CD; VÖ: - 13.05.2016

So wie es bei der Endlosschleife des Songs „La Paloma” um ein Sehnsuchtslied im positiven globalen Sinne geht, geht es bei „Gloomy Sunday” um das genaue Gegenteil, nämlich um ein Sehnsuchtslied im negativen, also suizidalen Sinne. 1933 als Folge einer verlorenen Liebe von dem Ungarn Rezsö Seress komponiert, wurde daraus ein weltweiter Verzweiflungssong, der angeblich bis heute eine ganze Reihe von Menschen in den Tod getrieben haben soll und der der Legende nach sogar auf dem Index der BBC stand, weil er bestens dazu geeignet war, die Kriegsmoral der britischen Soldaten zu untergaben.
Und wegen der Vielzahl der über die Jahrzehnte entstandenen Coverversionen ist so ein Spezifikum natürlich auch ein gefundenes Fressen für die Musikschaffenden, bzw. die Jäger und Sammler unter ihnen. Auf „Hungarian Noir” sind also insgesamt 12 Interpretationen dieses Songs zu hören, die sich alle auf unterschiedlichste Weise diesem gefährlichen Liedgut nähern. Neben der legendären Aufnahme von Billie Holiday aus dem Jahr 1941 ist auch eine Version des Ungarn Pál Kalmár aus dem Jahr 1934 zu hören, beide sorgsam restauriert. Die Recycler der Neuzeit sind u.a. die a-cappella-Singer von Vocal Sampling, die polnische Künstlerin Kayah oder der argentinische Akkordeonist Chango Spasiuk. Aus Cuba gesellen sich Manolito Simonet y su Trabuco und Glenda López hinzu, aus den HipHop-Kreisen Brasiliens interpretiert der Rapper GOG diese Nummer.
Das wirklich Gute an dieser CD ist die Tatsache, dass man nie den Eindruck hat, immer das gleiche Lied zu hören. Die stilistische und musikalische Vielfalt in Ein- und Ausdruck verbindet sich zu außergewöhnlich lebendigen 45 Minuten, also zum kompletten Gegenteil von dem, was der Songs eigentlich ausdrücken will. Der Sampler ist übrigens passend zum Inhalt am Freitag den 13. (Mai) erschienen!

www.piranha.de