Neue Platten

Little Annie - Trace

Genre: Indie Pop Jazz
Label: Tin Angel (Indigo)
CD; VÖ: - 20.05.2016

Wer wissen will was passiert, wenn man versucht, dem Alterungsprozess unsachgemäß ein Schnippchen zu schlagen, der möge sich einmal im Gesicht von Little Annie umsehen, bekannt auch als Anne Bandez, einstige Punk- und Avantgarde-Ikone aus New York. Schlauchbootlippen stehen eben nur den wenigsten Frauen.
Musikalisch allerdings hat die Künstlerin in letzter Zeit dafür umso erstaunlichere Ambitionen gezeigt. Ihr Album „Trace” gehört mit zum Feinsten, was die alternative Popmusik derzeit zu bieten hat. Und das hat mehrere Gründe: zum einen wirkt die Musik von Klein Annie im Vergleich zu ihren jungen Jahren sehr geläutert, sehr reif und durchdacht, zum anderen hat sie sich aber dennoch so viel Nonkon­for­mismus bewahrt, dass dieses Album nicht zu einem altehrwürdigen Chanson-Abend ausufert.
Blues oder Bar-Musik sind die Hauptbestandteile dieses Albums. Alles sehr zeitlupig ausgeführt und mit sehr viel jazzigen Tendenzen und historischen Verweisen versehen. Vibraphon, Streicher, Piano, Schneebesen, das ganze volle Nachmitternachts­programm. Dann aber auch ganz unverhofft elektronische Spielchen mit programmierten Beats, ausgeführt durch die Band Opal Onyx und mit z.T. expliziten Textteilen. Der einzige Titel, der an frühe Punk-Tage erinnert und damit komplett aus der Reihe fällt, kommt als vorletzter Track. „Midlife Lazarus“ glänzt durch verzerrte Gitarren und einen eruptiven Showdown. Trotz diesem Extremausschlag ist „Trace”ein absolut empfehlenswertes Album, das mit einen sehr entspannten aber auch gekonnt-wehmütigen Modus aufwartet.

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Aus dem erweiterten Personenumfeld:
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