Neue Platten

Song of Lahore - V. A.

Genre: Pop Folk World Jazz
Label:Wrasse Records (Universal)
CD; VÖ: - 13.05.2016

Dokumentarfilme machen in der Regel nicht allzu viel her im internationalen Film-Genre. Zu gering ausgeprägt sind publikumswirksame Thrill- und Action-Faktoren. Insofern rangiert auch der mit zwei Oskars ausgezeichnete Film „Song of Lahore“ von Andy Schocken und Sharmeen Obaid-Chinoy aller Wahrscheinlichkeit nach mal wieder unter „ferner liefen“, auch wenn der Inhalt sicher interessanter ist, als der von so manchem Hollywood-Hochglanzstreifen. Denn es geht hier grob umrissen um das packend dargestellte Schicksal der pakistanischen Musiker des Sachal Ensembles, die in ihrer Heimat seit Jahren unter der Knebelung der Sharia leiden müssen.
Parallel zum Film wurde jetzt dieser Sampler in die Welt gesetzt, der durch seine kunterbunte Zusammenstellung nicht nur eine vielfältige Würdigung der besagten Musiker darstellt, sondern auch gleichzeitig eine Begegnungsstätte von Künstlern aus aller Welt ist. Im Mittelpunkt des Geschehens steht hier - wie auch im Film - das Sachal Ensemble aus Lahore. Um dessen Akteure herum haben sich Musiker aus den unterschiedlichsten Musikgattungen zusammengefunden, um gemeinsame Sache gegen die kulturelle Plattmachung durch fundamentale Islamisten zu machen.
Erste Erfolge feierte das Sachal Ensemble durch eine dramatische Umsetzung des Dave Brubeck-Klassikers „Take Five“. Auf diesem Album nun wird zunächst mit dem Duke-Ellington-Stück „Blue Pepper“ (feat. Wynton Marsalis) an dieses Ereignis angeknüpft, bevor Stars wie beispielsweise Nels Cline (von Wilco), Sean Lennon, Bilal oder Madeleine Peyroux das Studio mit den Pakistanis teilen. Allerdings bringt diese Vielfalt an Künstlern leider auch das Phänomen einer inhomogenen Masse mit sich, d.h. einige der Songs leiden etwas unter popmusikalischer Schwindsucht, die auch die asiatischen Musiker nicht mehr komplett auffangen können. So zum Beispiel die Einspielung „Shelter from the storm“ mit Susan Tedeschi und Derek Trucks, „Man in the Mirror“ mit Becca Stevens oder „Love’s in need of love today“ mit Jim James von der Gruppe „My Morning Jacket“. Wesentlich besser und einfallsreicher dagegen die Kooperationen des Sachal Ensembles mit Madeleine Peyroux oder mit Cibo Matto, denn hier gelingt es den Stücken viel besser, die musikalischen Gewichtungen geschickt zwischen Ost und West gleichmäßig zu verteilen. Wenn sich also bei diesen 13 Songs nicht immer alle zu zwingenden Highlights aufschwingen können, ist der ideelle Gesamtwert dieses Albums dennoch ein ziemlich hoher.

www.thesachalensemble.com