Neue Platten

Paolo Fresu & Omar Sosa - Eros

Genre: Jazz
Label: Tuk Music (Edel Kultur)
CD; VÖ: - 20.05.2016

Absolut relaxte und gleichzeitig auch überzeugend anspruchsvolle Jazz-Einspielungen gibt es leider nicht allzu viele. Entweder bringen einen ein überzogener künstlerischer Ansatz, eine extensive Instrumentenschlacht oder beides gleichzeitig aus dem Gleichgewicht. Bei dem Werk „Eros“ des italienischen Trompeters Paolo Fresu in Zusammenarbeit mit dem kubanischen Omar Sosa an diversen Keyboards trifft weder der eine noch der andere Negativpunkt zu. Was die beiden, übrigens in trauter Gemeinsamkeit mit der marokkanisch-belgischen Sängerin Natacha Atlas und dem brasilianischen Cellisten Jaques Morelenbaum, an kalorienreichen Stimmungsbildern erzeugen, hat nicht nur Hand und Fuß, sondern ist durchaus vergleichbar mit klassischen Einspielungen von beispielsweise Miles Davis oder Chat Baker, gehen aber noch einen progressiven Schritt in Richtung Klangentkrampfung weiter.
Zum einen liegt das an Fresus immer sehr zärtlich gespielter Trompete bzw. dem Flügelhorn, das er, wenn nötig, auch gerne in Verbindung mit elektronischen Effekten einsetzt. Und auch sein karibischer Gegenspieler trägt mit einem klugen Wechsel zwischen Rhodes, Flügel, Korg, Samplern und programmierten Einlagen (was immer mal ein wenig an Joe Zawinul erinnert) zu diesem Wunderwerk der klanglichen (oder gemäß dem Titel, erotischen) Ästhetik bei. Zum anderen erweitern Frau Atlas mit drei vokalen Gastbeiträgen und Herr Morelenbaum mit seinen traumhaften Streicherparts das an sich schon sehr anmutige Klanggebilde um eine weitere, mitunter etwas melancholische, Dimension.
Alle Tracks stammen aus der Feder von Fresu/Sosa mit Ausnahme von zwei Coverversionen, die aber beide ein angenehmes, weil leichtfüßiges, Eigenleben entwickeln: „Teardrop“ von Massive Attack und „What Lies Ahead“ von Peter Gabriel. Eine gnadenlos gute CD, immer und überall einsetzbar.

www.paolofresu.it
www.omarsosa.com