Neue Platten

Beyond Istanbul - (V. A.)

Genre: Turkey/Dance
Label:Trikont (Indigo)
CD, VÖ - 23.06.2006

Da hat es ja doch durchaus so seinen Vorteil, zwischen den kulturellen Stühlen zu sitzen. Zu mindest wenn man DJ ist, weiblichen Geschlechts, in Berlin zuhause ist und eine kleine Marktlücke für sich entdeckt hat. Ipek Ipekcioglu hat lange genug aufgelegt, um nun endlich einen Sampler unter eigenem Namen zu veröffentlichen, der ihre unmittelbare Umgebung wiederspiegelt. Denn wenn man wie Ipek ständig, geistig wie geographisch, zwischen der Spree und dem Goldenen Horn hin- und herpendelt, kommt das dabei heraus, was sie ganz nonchalant „Underground Grooves of Turkey” nennt. So „undergroundig” ist das dann allerdings nun auch wieder nicht, denn Töne wie auf „Beyond Istanbul” hört man bei Funkhaus Europa oder Radio Multikulti tagein, tagaus und das sind wahrhaftig keine PIratensender. Wie dem auch sei, dem Kind mußte halt ein plakativer Name gegeben werden, damit die Klientel wachgekitzelt wird. Wer sich also diese „Untergrund“-Scheibe zulegt, wird mehrfach belohnt. Wissenwertes aus der Szene wird, wie immer bei Trikont, umfangreich bis üppig im Booklet feilgeboten und musikalisch erhält Ipek natürlich sowieso die volle Punktzahl, weil sie so schön vielseitig denkt. Einiges hat der gut sortierte Fachhörer allerdings sicher schon im Regal, wie z. B. die Brooklyn Funk Essentials, die Ende der 90er urplötzlich einen heißen Draht nach Kleinasien entwickelt hatten, oder Dzihan & Kamien aus Wien, die bei unseren Ösi-Nachbarn mit ihrem Crossover schon länger hoch im Kurs stehen oder die Kollegen von Orient Expressions aus Berlin, bei denen Frau Ipek sicher so manche Schrippe gefrühstückt haben dürfte. Unbekanntere Acts hat die DJane natürlich auch einige im Angebot und die gehören sogar zu den Überraschungssiegern dieser CD, wie z. B. Ayhan Sicimoglu und seine Kooperation mit Rodrigo Rodriguez im „Reggae Turca Tone” und Aufsteiger wie Nil oder Ceza komplettieren eine randvolle CD, die wieder mal aufs Eindrucksvollste zeigt, daß mit dem Medium Musik so manche Gehirnschranke ausgehebelt werden kann.

www.djipek.com