Neue Platten

Ana Tijoux - Vengo

Genre: HipHop Funk
Label: Flowfish Records (Broken Silence)
CD; VÖ: - 24.06.2016

In der Regel ist HipHop eine vorwiegend männliche Domäne, durchwegs prollig, aufdringlich und einfach gestrickt - mit anderen Worten so überflüssig wie Luft in einem Vollgummireifen. Frauen gehen die Sache da etwas anders an. Sie investieren mehr Hirn, agieren eleganter und verbreiten zumindest einen spröden Charme. Genauer gesagt sprechen wir hier von Ana Tijoux, einer Rapperin aus Chile, die allerdings in Frankreich geboren wurde, weil ihre Eltern einem gewissen Herrn Pinochet ausweichen mussten. Die Sozialisation von Ana fand also unter klar vorgegebenen Bedingungen statt. Erst Mitte der 90er fand sie den Weg zurück nach Chile und feierte mit der HipHop-Band Makiza erste Erfolge.
Das Album „Venga” stützt sich vorwiegend auf das Erbe der afro-amerikanischen Musik und verbindet somit HipHop und Funk. Das alles übersetzt auf Lateinamerika wird daraus ein ziemlich vielfältiges, ansprechendes und global ausgerichtetes Album, das teilweise auch noch Elemente der südamerikanischen Folk-Musik mit einbezieht. Die Themen, die behandelt werden, kommen alle aus der Welt der Underdogs, es geht also um Sozialkritik im weitesten Sinne. Diese Messages musikalisch geschickt verpackt, wird so aus schnödem HipHop ein cooles, teilweise sogar schickes Album, das dank der spanischen Sprache auch nicht so sehr nach Gangsta-Gepose schmeckt.

www.anitatijoux.cl