Neue Platten

Jacob Collier - In My Room

Genre: Pop Jazz
Label: Membran (Sony)
CD; VÖ: - 01.07.2016

Der Hype um Jacob Collier ist eigentlich schon beängstigend und man kann nur hoffen, dass sich dieses jugendliche Multi-Talent nicht bald selbst verschleißt oder von der Pop- und Jazz-Industrie zermahlen wird. Denn wie so oft bei ungewöhnlichen Talenten, die mit einem Mal in der Öffentlichkeit stehen und vom kulturellen Hinz bis zum geschäftlichen Kunz durchgereicht werden, setzt beim Publikum irgendwann ein Ermüdungsprozess ein oder das Pulver des Newcomers ist mit einem Mal verschossen. Hoffen wir also mal, dass Jacob Collier diesbezüglich die Kurve kriegt, schließlich ist er ja noch jung und Geld kann man in dem Alter immer gebrauchen.
Wie nicht anders zu erwarten war, verbreitet sich sein Debut-Album auf der internationalen Bühne wie ein australischer Buschbrand, nachdem seine Video-Clips (wie zum Beispiel „Hideaway“, „Flintstones“ oder „Georgia on my mind“) auf Youtube und ähnlichen Kanälen fast schon inflationär geworden sind.
The self-made-kid hat seine heimische Bastelstube zum Albumtitel gemacht. „In My Room“ heißt die CD und durch die einführenden Worte im aufgeklappten Cover und dank dem anschließenden Hörerlebnis wird auch dem letzten Skeptiker klar sein, dass der junge Mann ein echter Zaubermeister ist. Von A bis Z hat er alles selbst gesungen, eingespielt, abgemischt und produziert. Auch alle Videos, die weltweit kursieren, sind auf seinem Rechner im Alleingang entstanden. Und weil sich heutzutage eine Nachricht im Netz schneller herumspricht als in der Zeitung, dem TV und dem Radio zusammen, standen auch bald Leute wie Quincy Jones, Pat Metheny oder Chick Corea auf der Matte, um zu bezeugen, wie hin und weg sie von dem jungen Burschen sind. Einerseits liegt das sicher an der unglaublichen Präzision mit der Collier zu Werke geht und auch der Künstlerauswahl, die er covert, zum anderen aber natürlich an den mehrspurig aufgenommenen Gesangsharmonien, die, zumindest in Teilen, doch sehr amerikanisch rüberkommen und in entsprechenden US-Ohren wie Jingle-Bells klingen müssen.
Nun denn, Collier ist sicher eine Ausnahmeerscheinung und ein absoluter Vollblutmusiker von jazzigem Format, der sich derzeit noch in bewundernswerter Bescheidenheit übt. Der Erfolg ist ihm auf jedem Fall zu gönnen. Bleibt nur abzuwarten, wie lange er noch unbeschwert zum Brunnen gehen kann, bevor er langsam zerbröselt.

www.jacobcollier.co.uk