Neue Platten

Tamer Abu Ghazaleh - Thulth

Genre: Arab Independent
Label: Mostakell (Indigo)
CD; VÖ: - 26.08.2016

Musik aus dem Nahen und Mittleren Osten, erst recht wenn sie einen gewissen Anspruch hegt, sollte trotz grassierender Vorurteile mit großem Interesse verfolgt werden. Schlaue Köpfe sind in dieser Region rar und schon deswegen ist es wichtig, arabischen Künstlern Aufmerksamkeit zu schenken.
Tamer Abu Ghazaleh stammt ursprünglich aus Ramallah in der Westbank, Jerusalem ist also gleich um die Ecke. In Kairo ist es aber dann eben doch ein wenig sicherer, daher residiert der arabische Komponist und Songwriter in Ägypten. Seine Songs sind laut Platteninfo voll von satirische Gedanken und soziopolitischen Kommentaren. Allein konkret nachvollziehbar ist das nicht, denn die abgedruckten Texte sind im Booklet leider nur auf arabisch widergegeben, und wer kann das schon. Folglich halten wir uns an die Überlieferung dessen, was der Mann uns über die Presseinfos mitteilt. Also: die Texte entspringen vor allem seinem eigenen Gehirnstamm, befassen sich aber auch mit den Gedanken von alten Meistern, Beduinendichtern und zeitgenössischen Lyrikern der arabischen Welt und sind in einer Mischung aus Wut und Melancholie verpackt. Die Musik dazu ist entsprechend experimentell, kantig und rauh. Viel Oud ist zu hören, aber auch das Inventar einer strammen Indie-Rockband bahnt sich seinen Weg. Da muss man sich also schon ein wenig reinhören, um dabei in die richtige Stimmung zu kommen, was dann aber weniger in Richtung Disse tendiert, sondern sich eher nach arabischem Folkrock oder dem sogenannten Elektro-Chaabi anhört, den man aus dem Maghreb kennt. Keine Kuschelmusik also, sondern das vielschichtige Produkt einer zerrissenen Seele und Kultur.

www.tamer.ag