Neue Platten

Metá Metá - MM3

Genre: Independent Brasil
Label: Jazz Village (Roughtrade)
CD; VÖ: - 26.08.2016

Neben den braven und allseits bekannt-beliebten MPB-Sternchen gibt es natürlich zwischen Porto Alegre und Rio de Janeiro auch eine ganze Menge an Untergrund-Potenzial, das sich immer wieder Bahn bricht. Zu den etwas extrovertierteren Vertretern dieser Gattung zählt zweifelsohne die Band Metá Metá aus São Paulo, die mit „MM3“ ihr drittes Album fertig gestellt hat.
Metá Metá versorgen all diejenigen mit Stoff, denen Jazz zu altbacken, Rock zu eingefahren, Punk zu dreckig, Weltmusik zu piefig und Pop zu geleckt ist. An vorderster Stelle steht Sängerin Juçara Marçal, die sich mit ihrer kraftvollen und eindringlichen Stimme gegenüber den anderen vier Bandmitgliedern (Gitarre, Saxophon, Bass, Schlagzeug) sehr gut behaupten kann. Und das ist auch so manches mal dringend vonnöten, denn nicht selten geht die Stoßrichtung der Band in Richtung polyrhythmischer Psychedelia, hin zum Freejazz oder sonstigen subversiven Spirenzchen. Andererseits ist das Quartett sehr wohl in der Lage, auch gemäßigtere Töne anzuschlagen, was einem durchgängig entspannten Hören natürlich nicht gerade zuträglich ist. Dem Ohr des Rezipienten wird also immer schön etwas abverlangt. Nach Aussagen der Band spiegelt deren Musik die augenblicklich angespannte politische Situation des Landes wider. Allein schon deswegen kann es hier nicht nur um Friede, Freude und Eierkuchen gehen, die - wenn auch nur kurzen - Ausflüge ins Atonale sind infolge dessen unüberhörbar. Aber auch Einflüsse aus nord- und westafrikanischer Musik (z. B. bei „Toque Certeiro“) sind immer wieder präsent und sorgen für eine große Spannbreite an Sounds. Das Album wurde binnen zwei Tagen unter Live-Bedingungen eingespielt. Rau aber herzlich.

www.metametaoficial.com.br
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