Neue Platten

Anne McCue - Roll

Genre: Singer-/Songwriter
Label:Cooking Vinyl (Indigo)
CD, VÖ - 28.02.2005

Das Trio aus Strom-Gitarre, Bass und Schlagzeug ist nicht tot zu kriegen. Warum auch. Schließlich ist diese Power-Besetzung die Mutter aller Rockmusikanten und hat sich bis zum heutigen Tag wohlbehalten durch sämtliche Hypes dieser Welt gehangelt. Schön, wenn in dieser Ecke dann ab und zu auch mal ne Frau die Wutz rausläßt. Anne McCue sieht zwar aus, als könne sie gerade mal einen Fiedelbogen halten, aber schon nach ein paar Takten von „Roll” wird es zur Gewissheit: diese Frau hat ziemlich viel Dampf im Kessel. Ihr Lieblingsinstrument war anfänglich eine Gibson GS, heute baumelt eine Les Paul um ihren Hals, das klassische Gerät für den ambitionierten Rockmusiker. Und dieses Teil spielt natürlich auch die Hauptrolle im McCue’schen Universum.
Sei es, daß sie darauf den Bottleneck spielerisch einhergleiten läßt oder eben nur ganz ordinär das Plektrum reibt. Alles was diese Streiterin für Bluesrock und Alternative Country anpackt, hat Format. Von klein auf hat sie sich schon von Eric Satie bis zu Nick Cave durcharbeitet, trieb sich in ihrer Heimat Australien schon frühzeitig in Tim Finns Crowded House-Studio herum und stand so mancher harten Frauenband vor. Über ein einjähriges Praktikum in einem Vietnamesischen Rockklub landete sie schließlich in Kalifornien und trieb dort fortan unter den Fittichen von Lucinda Williams ihr musikalisches Unwesen. Ganz zur Freude einer immer größer gewordenen Fangemeinde wie es scheint, denn ganz egal ob rough oder soft, Anne McCue beherrscht den weiblichen Songwriter-Rock in all seinen Facetten wie kaum eine andere.
Das belegen auch überdeutlich ihre Songtitel. Von der „Tochter des Milchmanns” bis hin zur „50 Dollar Hure”, von einem „Tiny Little Song” bis zu „Machine Gun” reicht das Spektrum. Und das bedeutet, akustische Träumereien stehen neben harten Rockriffs und bluesige Knazer konkurrieren mit countryesker Rustikalität. Und auch stimmlich kann man bei Anne nicht meckern: Engelszunge und Rockröhre geben sich permanent die Klinke in die Hand. Und bei 9 einhalb Minuten Jimi-Hendrix-Hommage kommt bei dieser Frau auch wirklich der letzte Skeptiker ins Schwärmen.

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