Neue Platten

Allan Harris - Nobody’s Gonna Love You Better

Genre: Vocal Jazz
Label: Love Productions Records (Membran)
CD; VÖ: - 16.09.2016

Ist der Alterungsprozess umkehrbar? Diese Frage muss man sich ernsthaft stellen, vergleicht man die Cover der letzten beiden Allan-Harris-Veröffentlichungen. Waren auf dem 2015er Album Black Bar Jukebox noch deutlich die Knitterfalten eines 60-jährigen auszumachen, so präsentiert er sich zwei Jahre später auf „Nobody’s Gonna Love You Better“ mit einer deutlich jüngeren Optik. Wie kann das sein? War der Mann im Photoshop oder beim Gesichtschirurgen?
Wie dem auch sei, musikalisch jedenfalls knüpft der Künstler aus Harlem dort an, wo er zuletzt die Griffel hat fallen lassen. Crooner-Jazz der multiplen Art, ein bunter Reigen durch das Showgeschäft der Vereinigten Staaten. Von Blues bis Swingjazz, von Bossa zu Soul. Allan Harris scheint sich wohl zu fühlen in seiner Haut, denn mit viel Hingabe und gut geölten Stimmbändern gibt er sowohl Eignes, als auch Übernommenes zum Besten. Mit unterschiedlichen Resultaten freilich. Denn wenn man sich z.B. an Steely Dan heranwagt, muß das nicht unbedingt eine Wendung zum Besseren bedeuten. So bleibt denn „Any major dude will tell you“ eine ziemlich farblose Angelegenheit. Und aus einer Jimi-Hendrix-Nummer einen swingenden Barjazz zu machen, tut dem Teufelsgitarristen mehr Unrecht als einen Gefallen. Besser kommen da schon die Übernahmen aus dem Bereich US-Klassiker oder dem American Songbook-Zyklus. Stimmlich ist die Harris-Performance natürlich sehr ausgewogen und das warme Timbre wird durch den Gregory Porter Produzenten Brian Bacchus professionell ins rechte Licht gerückt. Sehr gut auch der Mann an der Hammond B3. Pascal Le Bœef schwurbelt sich gekonnt durch das breite Spektrum der Keyboards. Fazit: Trotz des etwas abgenudelten Album-Titels taugt dieses Machwerk durchaus zur gepflegten Unterhaltung. Und: je zügiger die Songs, desto lockerer die Stimmung.

www.allanharris.com