Neue Platten

David Nesselhauf - Afrokraut

Genre: Retro Beat
Label: Légère Recordings (Kudos/Broken Silence)
CD; VÖ: - 30.09.2016

Natürlich bekommt man erst mal einen kleinen Schreck, wenn man eine CD von „David Nesselhauf” auf den Tisch bekommt. Schnell stellt sich dann aber heraus, dass er nicht der kleine Bruder von David Hasselhoff ist, sondern ein Berliner Bassist, der inzwischen in Hamburg lebt. Seine Vorliebe gilt neben jazzigen Grooves auch den Tagen, da in Deutschland das Genre „Krautrock” hoch im Kurs der undergroundigen Szene stand. Diese Zeiten sind zwar längst passé, spuken aber noch in den Köpfen vieler Musiker herum. So auch im Hinterstübchen von Meister Nessel­hauf, der mit Krautrock außerdem auch noch Afrobeat verbindet. In sofern mag „Afro­kraut”, der Titel dieser CD, für ihn recht schlüssig sein, allein als Musik­richtung hat dieser Begriff keine Karriere gemacht. Und wenn wir gerade bei Kritik sind: Das Cover dieses Albums kann nicht wirklich als gelungen bezeichnet werden.
Auf musikalischer Seite sieht es da schon etwas besser aus: Das was Nesselhauf als „Afrokraut” bezeichnet, entpuppt sich bei fortgesetztem Hinhören als eine kühne Brücke zwischen europäischen und afrikanischen Retrobeats, bei denen sich Tony Allen, Fela Kuti und Can die Hände reichen. Vorwiegend Instrumentalmusik, die von holprigen Rhythmen geprägt ist, manchmal auch nach etwas Morricone klingt, hinzu kommt eine Menge uralter, fiepender Elektronik, schrille Gitarrenarbeit und geheimnisvolle Keyboards. Den gelegentlichen Gesang steuern u.a. Nora Becker aka Kinga Lizz und Amadou Bah bei. Klingt bizarr? Ist es auch. Solch eine Mixtur kommt selten und hier in besonders erstaunlicher Vollendung.

https://legererecordings.bandcamp.com/