Neue Platten

Donny McCaslin - Beyond Now

Genre: Jazz
Label: Motéma (Membran)
CD; VÖ: - 14.10.2016

Quasi als huldigende Gegenleistung dafür, dass Donny McCaslin sich auf David Bowie’s letztem Album „Blackstar“ saxophontechnisch austoben und verewigen durfte, hat er nun sein eignes Neues, sprich „Beyond Now“, in großzügiger Geste dem Glamrocker a.D. gewidmet. Das mutet natürlich irgendwie amerikanisch übertrieben an, ist nun aber so geschehen und die Nachwelt muss damit leben.
Donny McCaslin hatte bereits ein langes Musikerleben vor dem Bowie-Intermezzo und sich ebendort als ausdrucksstarker Bläser etabliert. Bowie allerdings, so hat es den Anschein, hat posthum in dem New Yorker Saxophonisten nun plötzlich neue Kräfte freigesetzt, die sich jetzt Bahn gebrochen haben. Sieben eigene Stücke und zwei aus Bowies Nachlass geraten zu einer expressiven Tour de Force, die eingefleischte Leftfield-Jazzer vermutlich in Verzückung geraten lassen, den Bowie Fans sowie sonstigen Popkonsumenten hingegen etwas befremdlich vorkommen müssen, weil hier vielleicht doch etwas zu dick aufgetragen wurde.
Sicher, McCaslin ist ein Könner seines Fachs, aber deswegen auch etwas extrovertiert. Und so bläst er, was das Zeug hält, immer feste drauf, und das wirkt zumindest auf den von ihm verfassten Stücken etwas seelenlos, verkopft und teilweise hypernervös. Speziell auf dem Track „Faceplant“ hat es den Anschein, dass er und seine Musiker unbedingt ausprobieren wollen, wie man ADHS musikalisch am besten umsetzen kann. Die beiden Bowie-Stücke dagegen beweisen, dass es auch anders geht. „A Small Plot of Land“ (gesungen übrigens vom US-Singer/Songwriter Jeff Taylor) und „Warszawa“ kann man ohne Schmerzen über sich ergehen lassen. Der Rest jedoch gehört in die „Ich bin ein ganz ganz toller Saxophonist und das soll man auch hören“-Schublade. Und so bleibt die Frage im Raum stehen, was Bowie wohl zu dieser Hommage gesagt hätte.

www.donnymccaslin.com