Neue Platten

Jacob Karlzon - Now

Genre: Fusion Jazz
Label: Warner Music
CD; VÖ: - 14.10.2016

Eine CD am Scheideweg: In die eine Richtung geht’s in Richtung Jazz, in die andere Richtung Pop und Elektronik. Der schwedische Pianist Jacob Karlzon ist ein eifriger Wanderer zwischen diesen Welten und bezeichnet sein Album „Now” als „melancholisches Dance-Album”. Ob das nun konkret im Sinne von Motorik gemeint ist oder nur übertragen, indem es die Sinne auf Touren bringt, ist jedem Hörer selbst überlassen. Tatsache ist jedoch, dass dieses Album elektrisiert. Zumindest wer sich für die Nahtstelle zwischen Jazz und Elektronik interessiert, für den muss „Now” so etwas wie eine Offenbarung sein. Aber auch hier soll eine Behauptung, die die Veröffentlichung mit sich bringt, etwas relativiert werden. Angeblich betritt Karlzon hier musikalisches Neuland. Das lässt aufhorchen und wenn man die letzten 15 bis 20 Jahre heranzieht, mag das eventuell sogar richtig sein. Wer aber noch weiter zurückgeht, wird unweigerlich auf ein Déjà-Vu stoßen. Da gab es Anfang der 80er die Zusammenarbeit von Pat Metheny mit Lyle Mays auf dem Album „As Falls Wichita, So Falls Wichita Falls”. Wer dieses Album also noch im Kopf hat, für den ist Karlzons Werk auf jeden Fall nichts Neues, sondern eher eine gelungene Weiterführung der Ideen von Metheny und Mays. Vielleicht sogar noch einen Ticken emotionaler. Denn immer wieder gibt es die Momente, wo es einem wohlig über den Rücken läuft, sich Melodien und Akkorde so elegant zusammenfügen, wie eine aufblühende Blume im Zeitraffer. An anderen Stelle erscheinen vor dem geistigen Auge Anspielungen an Filmusiken in epischer Breite, zum Beispiel an die Schluss-Sequenz zu „Jenseits von Afrika”. Es sind diese Schnittstellen zwischen Technik und Natur, die Jacob Karlzon hier wunderbar mit seinen Mitteln beschreibt. Ein ziemlich gelungenes Album.

www.jacobkarlzon.com