Neue Platten

Brandt Brauer Frick - Joy

Genre: Indie Elektro
Label: Because Music (Warner)
CD; VÖ: - 28.10.2016

Verglichen mit Nahrung wäre diese CD so etwas wie Pastinaken-Möhren-Gemüse mit Hackbällchen. Für den der’s mag, sehr lecker. Daniel Brandt, Jan Brauer und Paul Frick kommen aus der Berliner Independent-Szene, sind klassisch ausgebildete Instrumentalisten, stehen dem Jazz nahe und toben sich gerne beim Techno um die Ecke aus. Sie sind Spezialisten für Kunstmusik, die sehr selbstverliebt anzuhören ist, weil sie eine große Menge an Zutaten ideenreich verwurstelt, was man ansonsten im Poplager eher selten hört. Belege aus der Soundvergangenheit der Truppe legen die Vermutung nahe, dass es sich hier erneut um eine ziemlich düstere Angelegenheit handeln könnte. Der Titel „Joy” suggeriert zwar das Gegenteil, aber die schmerzverzerrte Männervisage erzählt dann doch eine andere Geschichte. Trotzdem ist „Joy” kein Soundtrack für die große Depression, sondern sehr vielschichtige, handwerklich famos gemachte, zuweilen sogar recht pop-affine Intelligenzmusik. Das liegt vor allem an dem eingekauften Sänger aus Kanada, Beaver Sheppard (die Visage). Er ist auf allen Tracks zu hören und sorgt für radiohead-ähnliche Vorhänge. Das Trio BBF werkelt derweilen im Hintergrund an allerhand Soundschnipseln und -wällen, die sich mal mit Techno-, mit Streicher- oder mit Bläseranteilen zu einem Puzzle verdichten, das im Ohr erst einmal richtig sortiert werden muss. Zwischen schwermütigen Anteilen lassen sich aber auch einige herzerwärmende Passagen ausmachen. Joy und Realität halten sich also so ungefähr die Waage. Man kann, wenn man kann, schon so etwas wie Glücksgefühle aus dieser Musik ziehen, vorausgesetzt, man findet das versteckte Türchen, das in dieses Sounduniversum führt.

www.brandtbrauerfrick.de