Neue Platten

Rio Baile Funk – More Favela Booty Beats - (V. A.)

Genre: Brazil-Alternative
Label: Essay (Indigo)
CD, VÖ: - 11.08.2006

Da wo man sich bei einem Rio Aufenthalt am besten nicht aufhalten sollte, wird derzeit die heißeste Musik des Landes gemacht. Die Favela Booty Beats wummern einem da fast an fast jedem einschlägigen Treffpunkt der Slum-Kids um die Ohren. Männlein wie Weiblein gleichermaßen rappen, battlen und slammen da über Themen, die geradewegs aus der unmittelbaren Nachbarschaft stammen: Neueste Knarrenmodelle, wer mit wem in die Kiste steigt, welche Kampfsportart am geilsten ist und so weiter und so fort. Der Rest der Anwesenden übt sich zu den harten Rhythmen im erotischen Hüftschwung. Die selbstbewußten Beatmeister, MCs und DJs aus Rio Slum-Vierteln haben sich zu einer eklektischen Zunft zusammengeschlossen, die mit viel Improvisation, einem gerüttelt Maß an Sampletechnik und viel Enthusiasmus eine Body-Music aus der Taufe gehoben hat, die seit langem mal wieder die Bezeichnung „Underground” verdient. Baile-Funk und -HipHop made in Brazil ist der Sound der Straße, roh und ungehobelt.
„Rio Baile Funk 2” ist die konsequente Forsetzung der Einführungsrunde, die uns zu diesem Thema bereits 2004 faszinieren konnte. Daniel Haaksman hat noch einmal 21 weitere Beispiele brasilianischer Party-Brecher zusammengetragen, die den Tracks der ersten CD in punkto Hippness in nichts nachstehen. Gefilterte Berimbaus, polternde Olodum-Beats, scheppernde Drums, Maschinengewehr-Salven, Pferdegewieher und verhackstückte Vocals bahnen sich ihren Weg durch soulige Grooves und diverse Freestyles, die säuberlich seziert und wieder zusammengeleimt einen Mix der ziemlich unkonventionellen Art ergeben, dem es zu folgen zugegebenermaßen maches mal ein dickes Nervenkostüm erfordert. Denn bei der angewendeten Copy- und Paste-Technik haben sich die Favela-Boys oftmals nicht mit Hausmannskost begnügt, sondern ordentlich hingelangt. So manches mal kommt der rote Melodiefaden da gehörig ins Straucheln. Trotzdem ist dieser wilde Mix allemal interessanter, als so macher Bossa-Schnacher aus einer Jazzbar von Ipanema.

www.essayrecordings.com