Neue Platten

Patricia Kaas - Patricia Kaas

Genre: Pop
Label: RW Entertainment (H’Art)
CD; VÖ: - 11.11.2016

Das selbst betitelte Album soll so etwas wie ein Neuanfang für Patricia Kaas sein. Nach einem Burnout und dem Verlust ihres vierbeinigen Lebensgefährten war es für die Französin scheinbar an der Zeit, auf den „Reset”-Knopf zu drücken und in eine neue Richtung zu marschieren. Mit neuen Komponisten, mit neuen Produ­zenten, mit neuen Themen. Der direkte Vergleich mit beispielsweise dem Album „Piano Bar” von 2002 macht es deutlich: Das 2016er Album klingt spröder und strenger und das bei einer Stimme, die ebenfalls spröde und herb klingt. „Piano Bar” war geschmeidig, verspielt und elegant. Das neue Album ist nun nachdenklicher, dramatischer und tiefsinniger geworden. Man kann sich (textlich) damit auseinandersetzen, man sollte genauer hinhören, man wird näher dran sein. Ob man als Hörer hinterher damit zufriedener ist, ist eine andere Sache.
Tatsache ist, dass hier zwei Produzenten zugange waren. Beide sind Briten. Jonathan Quarmby (er arbeitete bereits für so unterschiedliche Künstler wie Finley Quaye, Oi Va Voi oder Tiken Jah Fakoli) und Fin Greenall (der als „Fink” in der UK-Rave-Szene eine mittelgroße Nummer war). Sie haben versucht, einer Gesangsdiva, die weder mit Adele noch mit Winehouse vergleichbar ist, ein passendes Costume zu schneidern. Das ist dann auch nur teilweise gelungen, denn Kaas hat nach wie vor ihre eigene Art. Der Opener (Produzent Fink) hat mit Lap-Steel und Streichern etwas sehr Singer/Songwriterhaftes, „Sans Tes Mains” dagegen geht mehr in Richtung 0815-Schnulze. Der Titel „La Maison en Bord de Mer“ (Produzent Quarmby) thematisiert häusliche Gewalt, wirkt aber in seiner Dramatik etwas überzogen. „N’oublie jamais” dagegen (Produzent Fink), hat ein sehr angenehmes, feminines Flair, ähnlich wie „La Langue que Je Parle”. Man sieht schon, die Songs dieses Albums lassen sich nicht über einen Kamm scheren. Hier wurde viel reingepackt und noch mehr gewerkelt. Dafür hat Patricia Kaas das erreicht, was sie wollte: eine Abkehr vom Bisherigen.

www.patriciakaas.net