Neue Platten

Ukraina - Songs Of The Orange Revolution - (V. A.)

Genre: Russian Pop
Label:Eastblok (Alive)
CD, VÖ - 28.02.2005

Es ist wieder Ruhe eingekehrt in Kiew. Man hat erreicht was man wollte, Schlafsäcke, Zelte und Thermoskannen sind wieder eingepackt, die orangene Revolution ist geglückt. Jetzt muß Mr. Juschtschenko allerdings auch ein bißchen Gas geben mit dem was er nun anpacken will, damit sich seine Landsleute nicht noch mal so verkackeiert vorkommen, wie bei seinem Vorgänger. Am besten, er legt sich eine kleine silberne Scheibe unters Kopfkissen, besser noch, er schiebt sie allmorgentlich in den CD-Spieler seiner Dienstkarosse und erinnert sich daran, was auf dem größten und längsten Open-Air-Konzert, das es jemals in der Ukraine gab, abging. Der Soundtrack dazu kommt nämlich ulkigerweise aus Berlin, dem westlichen Außenposten der ehemaligen CCCP.
Elf Bands bzw. Interpreten haben sich zusammengefunden, um noch mal an das zu erinnern, wofür so viele geschnattert, gebibbert und gebrüllt haben. “Songs of the Orange Revolution” ist eine Wortmeldung all derer, die musikalisch ihren Beitrag zum Gelingen dieser Aktion geleistet haben.
Und so vielfältig wie sich die Ukraine darstellt, sind auch die Stilrichtungen, die auf diesem Album vertreten sind. Song-Contest Siegerin Ruslana ist da wohl die prominenteste, wenn auch nicht unbedingt die anspruchsvollste. Mit ihrem hibbeligen Plastikdiscostyle ist sie gleich zweimal am Start: Diki Tanzi kennt man ja jetzt zur Genüge und das Bonus-Video, na ja, andere Beats, der selbe Dreh.
Alle anderen Teilnehmer sind für uns bislang NoNames, in der Ukraine zum Teil aber schon Kult. Auch hier hängt die intellektuelle Meßlatte nicht sonderlich hoch, aber massiver Russendisko-Sound mit rustikalen Polka- und Reggae-Anleihen bringen die Stimmung dennoch gut vorwärts. Ebenso die harten Rockerbeats, die im Osten scheinbar immer noch weggehen wie warmes Kastenbrot. Und auch eine pomadige Schmalzlocke mischt sich unter die orangenen Revolutionäre.
Insgesamt also eine durchaus hörbare und abwechslungsreiche Scheibe mit historischem Wert. Unsere Brüder und Schwestern aus der ehemaligen DDR haben so etwas 1989 jedenfalls nicht hinbekommen.

www.eastblokmusic.com