Neue Platten

Donauwellenreiter - Euphoria

Genre: Kammerpop
Label: Laloki (Alive)
CD; VÖ: - 25.11.2016

Da wo Kategorisierungsversuche ins Leere laufen oder an Grenzen stoßen, da wird Musik erst richtig interessant. Nehmen wir beispielsweise die Kulturlandschaft Österreichs, wo es zu diesem Thema so einiges zu reißen gibt. Inzwischen zu einem ganz speziellen Schmankerl geworden: die Donauwellenreiter, ein vierköpfiger Musiker­verbund mit multikulturellen Wurzeln (Südtirol, Serbien, Mexiko, Österreich).
Allein die Instrumentenparade spricht eine ganz individuelle Sprache: Violine, Piano, Violoncello, Schlagzeug und Perkussion. Könnte direkt aus dem Klassik­bereich kommen, kann aber auch genauso gut pop-technisch eingesetzt werden und wird es auch. Für die Hörer vielleicht ein gewagter Spagat, weniger für das Wiener Quartett. Verarbeitet wird alles, was den vieren gerade in den Sinn kommt. Von hipper Pop-Rhythmik über einen Schuß Weltmusik bis hin zu klassischen Zitaten. Apropos Rhythmik: die wird bei den wasseraffinen Reitern ganz groß geschrieben. Bei dem Titel „Ecstasy in Stubenberg” haben wir es zum Beispiel mit einem altertümlichen Dampfzug zu tun, der sich laut tutend (famos: die ehemalige Hubert-von-Goisern-Geigerin Maria Craffonara als variationsreiches Signalhorn) und dank Drums, Cello und Flügel ruckelnd und schnaubend seinen Weg durch die Wallachei bahnt. Filigran und zart wird es dagegen bei „Put Your Shadows Together”, einer ergreifenden Ballade, die sich von filigran bis symphonisch steigert. Drei Stücke des Albums sind mit Stimme ausgestattet und die ertönt im seltenen ladinischen Dialekt, den man nur noch in einigen Tälern Südtirols spricht. Es ist also unschwer auszumachen, dass das Repertoire der Donau­wellenreiter mit einer überaus reichen Klangarchitektur gesegnet ist und dass hier Genregrenzen keine Rolle spielen. Faszinierend unkonventionell.

www.donauwellenreiter.com