Neue Platten

Jimmy Scott - I Go Back Home

Genre: Vocal Jazz
Label: Eden River Records (Rough Trade)
CD; VÖ: - 27.01.2017

In Sentimentalitäten zu schwelgen, vernebelt oft eine objektive Sichtweise. Denn wenn man jetzt wieder ein Dutzend der alten romantischen Songs dieses unterbewerteten amerikanischen Jazz-Sängers Jimmy Scott vorgesetzt bekommt, der 2014 88-jährig starb, kann man schnell in melancholische Momente abdriften.
Der Mann hatte es wirklich nicht leicht. Wegen einer seltenen Erbkrankheit kam er nie in den Stimmbruch und hatte bis zu seinem Ableben eine weiche und liebliche Sopranstimme, die oftmals für Verwirrungen und Irritationen sorgte. Erst im Herbst seines Lebens war ihm der Ruhm vergönnt, der ihm tatsächlich gebürt. Denn kaum einer konnte wie Jimmy Scott so hingebungsvoll und bezaubernd schnulzigen Jazz interpretieren.
Der deutsche Musikproduzent Ralf Kemper half nun mit, der Crooner-Legende ein gebührendes Denkmal zu setzen. Zusammen mit Jimmy Scott selbst und ein paar ausgewählten Musikern wurden im Jahr 2009 zwölf Stücke üppig und von hoher Qualität produziert, die den Mann mit der weiblichen Stimme zur vollen Geltung bringen. Mit im Studio waren der brasilianische Gitarrist Oscar Castro Neves, der amerikanische Schauspieler und Sänger Joe Pesci, der umfangreiche Hammond-Orgler Joey deFrancesco, die junge Sängerin Renee Olstead, der deutsche Trompeter Till Brönner, der Pianist Kenny Baron oder die Jazzsängerin Dee Dee Bridgewater. Alle machten dem verkannten Senior ihre Aufwartung und sorgten mit viel Engagement für eine durchgehend lauschige Atmosphäre. Und obwohl es hier zum Teil sehr schwärmerisch zugeht, hält sich der Schmalzfaktor dennoch in sehr engen Grenzen. Etwas für die intimen Stunden des Tages.

www.jimmyscottofficialwebsite.org