Neue Platten

M. A. Numminen - Singt Heinrich Heine

Genre: Alternatives Chanson
Label:Trikont (Indigo)
CD, VÖ: - 15.09.2006

MAN, also Mauri Antero Numminen oder M. A. Numminen hat wieder zugeschlagen. Ein neues gefundenes Fressen für alle Freunde des schrägen Humors, natürlich für alle Finnland-Geschädigten und nicht zuletzt für alle Literaturkritiker. Denn Numminen hat neuerdings Heinrich Heine entdeckt. Besser gesagt, er sollte zum 150. Todestag von Heini ein Programm aushecken. Und was macht ein Finne, der irgendwann mal die deutsche Sprache und den Underground für sich entdeckt hat? Er rezitiert nicht nur Heinrich Heine in Form eines Song-Zyklus und zieht ihm dabei ein Kleidchen aus Vibraphon, Cello und programmierter Elektronik an, er dichtet auch noch weiter, angeblich ganz im Sinne von Heine. Dabei kommt dann so etwas wie „Glied” dabei heraus, das in seiner Direktheit mächtig an Kaurismäki’s Humorschatulle erinnert. Oder „Küsse und Lügen“, wo Mauri nicht nur seine eigenen Textzusatzfragmente, sondern auch die Ur-Verse so herzerweichend falsch singt, daß sich Heine vermutlich an den nächstbesten Baum gehängt hätte, wäre ihm diese Interpretation zu Ohren gekommen. Denn musikalisch ist an dieser CD eigentlich nur das, was die Instrumente produzieren. An Numminen, das wissen wir seit langem, ist allenfalls ein genialer Interpret, keinesfalls jedoch ein Sänger von Format verloren gegangen. Es tut sogar machmal richtig weh, ihm zuzuhören, doch andererseits hat so viel Schrilles auch seine skurril-witzigen Seiten. Und das war vermutlich auch die treibende Kraft, die Numminen zu dieser Moritat getrieben hat. Jedenfalls hat auf diese Weise bislang noch niemand den satirischen Poeten aus Düsseldorf gewürdigt.

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