Neue Platten

Alexandra Lehmler - Sans Mots

Genre: Jazz
Label: Jazznarts Records (In-akustik)
CD; VÖ: - 24.02.2017

In einem Musikerhaushalt sind zumindest die Chancen größer, dass aus den großzuziehenden Sprößlingen mal halbwegs brauchbare und vor allem kulturell aufgeschlossene Mitglieder der Gesellschaft werden. Auch wenn sie im Kindesalter heilloses Chaos anzurichten durchaus im Stande sind. Das CD-Cover spricht eine eindeutige Sprache.
Alexandra Lehmler ist also Mutter von drei Kids und eine vielseitige Saxophonistin noch dazu. Diese beiden Jobs unter einen Hut zu bringen, erfordert starke Nerven, das kann man sich an den fünf Fingern abzählen. Interessant ist aber nun, wie sich Kindererziehung und Jazzmusik gegenseitig beeinflussen. Für den Hörer dieses Albums zumindest eine Einbahnstrasse, denn aus den Lehmler’schen Kinder­zimmern liegen keine Tondokumente vor. Ist vielleicht auch besser so. Dafür kann man an dem, was Frau Lehmler im Studio angestellt hat, umso besser ablesen, wie sich ein turbulentes Familienleben auf ein Musikergehirn auswirkt.
Frau Lehmler unterscheidet wie zuhause zwischen Chaos und Poesie. Einerseits die wuseligen Stücke, die wie „Voisins Imaginaires” geprägt sind von Energie und Explosivität. Andererseits von (wenigen) Phasen der Ruhe, die wie in „Tränenmeer” Zeit zum Verschnaufen geben. Im großen und ganzen aber ist „Sans Mots” ein Manifest der steten Unrast, geprägt von immer neuen Überraschungseffekten, die das Ohr erreichen und daher nicht immer ganz einfach zu händeln.
Für das Album konnte Alexandra Lehmler auf gestandene Profis zurückgreifen: Franck Tortiller bedient das Vibraphone, Patrice Héral sorgt für elektronische Effekte und Perkussion, Herbert Joos spielt die Trompete, Ehemann Matthias Debus ist am Bass zu hören.

www.alexandralehmler.de