Neue Platten

Jarvis Cocker & Chilly Gonzales - Room 29

Genre: Kammer-Pop
Label: Deutsche Grammophon (Universal)
CD; VÖ: - 17.03.2017

Nach 52 Minuten Cocker/Gonzales steht zumindest schon mal eines fest: ein begnadeter Sänger ist Jarvis nun wirklich nicht. Dafür ist Chilly ein ziemlich fähiger Pianist. Erst recht wenn man bedenkt, mit welch schrägen Performances Chilly Gonzales zu Zeiten seiner Kitty-Yo-Ära zwischen 2000 und 2003 als selbsternannter Präsident des Berliner Undergounds und zusammen mit seinen damaligen Partnerinnen Peaches und Leslie Feist alles angestellt hat. Der Mann hat sich zweifelsohne entwickelt. Zum Vorteil, versteht sich. Denn wenn man es, so wie Chilly, inzwischen in die Hallen der Deutschen Gammophon geschafft hat, gilt man zurecht als Checker.
„Room 29” ist die Geschichte von Zimmer 29 des Hotel Chateau Marmont am Hollywood Sunset Boulevard und seinen vielen Bewohnern, die dort seit 1929, mal für kürzer, mal für länger, abgestiegen sind. Unter anderem fließen hier Anekdoten zum Beispiel über den Filmproduzenten Harry Cohn, über die Schauspielerin Jean Harlow, über Mark Twains Tochter Clara und über den Gangsterboss Meyer “Mickey” Cohen mit ins Songrepertoire ein. Und weil im Zimmer 29 auch noch einen Flügel stand, hat dies sofort die Fantasie von Cocker und Gonzales beflügelt. Der so entstandene 16-teilige Liederzyklus greift die Emotionen, Dramen und Fantasien auf, die mit diesem Zimmer und Personen, entweder in der Gedankenwelt des Duos, oder durch historische Überlieferung verbunden sind. Es geht hier quasi um eine Art musikalischer Geisterstunde des goldenen Hollywoods, an dem Cocker und Gonzales angeblich drei Jahre lang gebastelt haben. Für den potenziellen Hörer ein nicht uninteressantes Klangerlebnis, zumal hier auch noch das Kaiser (Streich-)Quartett mit von der Partie ist, das Chilly Gonzales bereits bei seinem Soloalbum „Chambers” zur Seite stand.

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