Neue Platten

Aimee Mann - Mental Illness

Genre: Singer/Songwriter
Label: SuperEgo Records (Membran)
CD; VÖ: - 31.03.2017

Ein medizinisches Wunder. Aimee Mann, Jahrgang 1960, ist der Prototyp einer Frau, die scheinbar nicht altert. Die blonde Bohnenstange aus dem Staate Virginia sieht am Horizont der Appalachen zwar schon die große 60 stehen, bietet aber die Optik einer smarten 40erin. Dafür verfügt ihr neues Album umso mehr über die Qualitäten einer gereiften Persönlichkeit, die vieles gelassener, aber auch realistischer und manchmal auch etwas schwermütig sieht. Der Albumtitel „Mental Illness” (also „Geisteskrankheit”) ist dabei etwas irreführend, denn wenn der Begriff „Wahnsinn” anzuwenden ist, dann höchstens in der Variante „wahnsinnig gut”.
Aimee Mann hat sich nämlich für dieses Album vornehmlich auf das Singen und Songwriten verlegt. Sie nimmt uns mit auf eine Reise in den Zauberwald der grüblerischen Songs, trotzdem steht weniger zu befürchten, bei Hören auf übermäßig düstere Gedanke zu kommen. Im Gegenteil: diese akustischen und vom amerikanischen Country-Spirit umzingelten Songs versprühen eher den Charme von heiterer Melancholie und bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Minimalismus und leichter Romantik.
Softiger Folkrock wohin das Ohr auch hört. Dazu noch garniert mit ein paar Streichern, etwas Piano, ein wenig Harmonium und viel Gitarre. Von Walzer bis Romanze. OK, thematisch geht Aimee Mann schon des öfteren in Richtung Nachdenklichkeit: Von einem desillusionierten Sommer ist da zum Beispiel die Rede (Lies of Summer) und von aufgesetztem Hollywood-Glamour, der sich letztlich nur als Enttäuschung entpuppt (Patient Zero). Am Ende aber hat das Album dennoch so viel anschmiegsame Substanz, dass man gleich wieder von vorne anfangen möchte.

www.aimeemann.com