Neue Platten

Joep Beving - Prehension

Genre: New Classic Piano
Label: Deutsche Grammophon (Universal)
CD; VÖ: - 07.04.2017

Ob Joep Beving tatsächlich einer der weltweit meistgehörten Pianisten ist, wie es die Deutsche Grammophon vollmundig verlauten lässt, sei dahingestellt. Man spricht jedenfalls von angeblich mehreren Millionen Streamings von „Sleeping Lotus” aus seinem Vorgängeralbum „Solipsism”. Fest steht allerdings, dass der Holländer sehr begnadete Hände besitzt und die Tastatur eines Klaviers damit sehr seelenvoll bedient. So seelenvoll, dass sich unter bestimmten Voraussetzungen tatsächlich das Phänomen der Gänsehaut einstellen kann. Beving ist weit weg von einem Martin Tingvall oder einem Omer Klein. Aber auch Vergleiche zu anderen Meistern des Fachs wie Nils Frahm oder Tigran Hamasyan und erst recht Keith Jarrett müssen hier zwangsläufig hinken.
Beving hat ein überaus markantes Erscheinungsbild, sieht mit seinem Zottelbart aus wie ein rauhbeiniger Siedler aus dem Wilden Westen anno 1750 und hat die Statur eines Basketball-Spielers. Seine Musik aber ist das ganze Gegenteil, sozusagen die Antithese zu Hektik. Sie ist filigran, zerbrechlich, gefühlvoll, intim, poetisch und sehr empfindsam. Sorgsam gesetzte Akkorde, liebevoll getupfte Noten und zarte Melodien in Hülle und Fülle, von künstlicher, sich anbiedernder Romantik keine Spur. Beving nennt seine Kompositionen „einfache Musik für komplexe Gefühle”. Eine simple Umschreibung für eine unter die Haut gehende Erfahrung. Wenn es nicht so kontraproduktiv wäre, könnte man beim Genuss dieser Musik brüllen vor Freude.

Sehr empfehlenswert ist in diesem Zusammenhang auch ein Kurzfilm von 11 Minuten Länge, der in seiner minimalistisch angelegten Ästhetik, seinen zeitlupenartigen Bewegungen und der reduzierten Farbgebung die introvertierte Musik von Bevings neuer CD perfekt veranschaulicht.

www.joepbeving.com