Neue Platten

Gisela João - Nua

Genre: Fado
Label: Flowfish (Broken Silence)
CD; VÖ: - 28.04.2017

Fado und Rock ‘n‘ Roll – geht das zusammen? Wenn es nach portugiesischen Medien geht, anscheinend schon. Aber die sind ja bekanntlich befangen. Deswegen können wir hier von mitteleuropäischer Seite aus betrachtet das Album einer neuen Fadista auch ziemlich entspannt unter die Lupe nehmen. Es nennt sich „nua“, also „nackt“ und diese Wortwahl soll wohl, zusätzlich zum PR-Aufhorcher, belegen, dass Gisela João sehr unkonventionell an ihre Sache herangeht. Zumindest was die Äußerlichkeiten angeht. Da tritt sie schon mal gerne in Turnschuhen und kurzem Röckchen auf, schert sich also vergleichsweise wenig um die Konventionen dieses Genres. Trotzdem spricht aus ihrer Interpretation das notwendige Pathos, mit dem der Fado ja schon seit jeher behaftet ist und zu Gehör gebracht werden will. Also doch keine ganz so unorthodoxe Herangehensweise. Fado zu interpretieren ist auch für Gisela João eine sehr intime und persönliche Angelegenheit, auch sie will im Grunde missionieren.
Stimmlich gehört die Sängerin aus Portugals Norden eher zu der feinherben Geschmacksrichtung, sie überzeugt also weniger durch süße Lieblichkeit, sie ist mehr ein ungeschliffener Diamant, der etwas verhalten funkelt und dadurch noch leidenschaftlicher klingt. Die portugiesischen Medien mögen es uns verzeihen: Die Sache mit dem Rock ‘n‘ Roll gehört also eindeutig in die Ecke der „Fake-News“. Es sei denn, man definiert den Uptempo-Fado „O Senhor Extraterrestre“ als Rock, was natürlich Quark ist. Begleitet wird Gisela João übrigens von Ricardo Parreira (portugiesische Gitarre), Nelson Aleixo (Fado-Gitarre) und Francisco Gaspar (Bassgitarre).

www.giselajoao.com