Neue Platten

Colin Stetson - All This I Do For Glory

Genre: Alternative Jazz
Label: 52Hz (Indigo)
CD; VÖ: - 28.04.2017

Auch wenn es schwerfällt: Für dieses Album braucht man ein gutes Steh- bzw. Durchhaltevermögen. Der kanadische Jazz-Saxophonist Colin Stetson mit guten Beziehungen in die Pop-Branche, macht es einem nicht einfach. Weder dem Begutachter, noch dem mutmaßlichen Kunden.
In guter Erinnerung ist da noch seine Hommage an Henryk Górecki namens „Sorrow“, aber die ist sowohl inhaltlich als auch stilistisch von „All This I Do For Glory“ so weit entfernt, wie Gütersloh von Timbuktu. Im Grunde genommen ist das Album ein ziemlich exaltierter Solotrip für Saxophon, Stimme und Elektronik, ein ausgeklügeltes Sounddesign, zwischen Apokalypse, Ambient und Experimental-Jazz. Menschen, die sich der Kategorie ADHS zugehörig fühlen, sollten einen weiten Bogen um dieses Klanggebilde machen. Wer nicht gerade ein ausgewiesener Sympathisant für solch ein Sound-Abenteuer ist, den zieht es unweigerlich in die Tiefe. Perkussives Bass-Saxophon mit viel elektronischem Beiwerk, aufgenommen mit mehreren Mikrofonen, klappernde bis fordernde Rhythmik, sirenenhafte Gesangsspuren, die zum Teil über das Musikinstrument laufen und düstere Voodoogrooves sind nicht gerade dazu angetan, das Wohlbefinden zu fördern. „All This I Do For Glory“ ist ein kompromissloser Ausflug in die Avantgarde. Einzig der Titel „Spindrift“ kann als einigermaßen greifbar bezeichnet werden, ist es doch ein salonfähiger Ambient-Titel mit flirrenden Soundscapes, repetitiven Harmonien und flächigen, chorähnlichen Gesangsspuren. Vielleicht vergleichbar mit etwas angestaubten Technobrüdern wie Aphex Twin oder Autechre. Der Rest ist ein klangtechnisches Mahlwerk von zermürbender Intensität. Gnadenlos unorthodox, aber irgendwo auch herausfordernd.

www.colinstetson.com