Neue Platten

Boom Pam - Boom Pam

Genre: Balkan Surf
Label:Essay (Indigo)
CD, VÖ: - 29.09.2006

Über nichts freut sich die Weltmusikgemeinde mehr, als über ein neues gefundenes Fressen. Auf ein weltmusikalisches Ereignis, auf das man sich voller Inbrunst stürzen kann, es als den nächsten großen Hype feiert und alle Hebel in Bewegung setzt, dieses Sensation in die große weite Welt hinauszuposaunen. Diesen Eindruck muß man haben, wenn von „Boom Pam” die Rede ist, dem derzeit angesagtesten Knaller des World Music Business. Und in der Tat, bei Boom Pam treffen einige Faktoren zusammen, die dies wohl rechtfertigen: Die Band kommt nicht aus einem unbedeutenden Bummskaff hinter den sieben Bergen, sondern aus der Multi-Kulti-Zentrale Tel Aviv, die Band hat eine höchst ungewöhnliche Zusammensetzung (2 Surf-Gitarren, ein Schlagzeug und eine Tuba) und die Band widmet sich nicht irgendwelchen abgegrasten Terrains weltmusikalischer Ethno-Gepflogenheiten, sondern sie schaukelt munter und behende zwischen „alternative Indie“, „Balkan-Disko” und internationalem Klezmertum hin und her. Kein Wunder, daß bei diesem wüsten Cocktail die Ohren süßer nie klingeln, denn die Akteure aus Israel verstehn es prächtig, den musikalischen Enthusiasmus der Balkan-Völker und die leicht angegilbte Underground-Attitüde einer 60er-Jahre Gitarren-Kombo unter einen Hut zu bringen. Mit Verstärkern aus der Beat-Ära, analogen Bandmaschinen und einem gewissen Herrn Shantel an den Studioreglern wurde ein Sound aus der Taufe gehoben, der sich bei Boban Markovic genauso bedient wie bei Dick Dale, der Ska-Bewegung oder Maurice El Medioni. Ein Sound, den es so bisher noch nicht gab, und der aus diesem Grund Radioleute und Schreiberkaste gleichermaßen aus dem Häuschen geraten läßt. Und wenn man sich die Platte mal so richtig zur Brust genommen hat, versteht man schließlich auch, warum das so ist.

http://boompam.org