Neue Platten

Juana Molina - Halo

Genre: IndiePop
Label: Crammed Discs (Indigo)
- 05.05.2017

Das was man auf „Halo” geboten bekommt, hört sich an wie der Experimentier­kasten einer furchtlosen, jungen Kreativen, die ihrer blühenden Fatansie freien Lauf lässt. In Wahrheit aber ist „Halo” das Machwerk einer reifen Frau, die auf der Schwelle des 6. Jahrzehnts ihres Lebens steht und sich trotzdem eine ungewöhnlich unkonventionelle Form des Musizierens bewahrt hat. Juana Molina aus Argentinien fiel schon mehrfach durch solche speziellen Klangerzeugnisse auf, zuletzt mit dem Album Wed 21, das hier 2013 besprochen wurde.
Auch „Halo” ist wieder ein solches Flickschusterwerk, das aus vielen kleinteiligen Bausteinchen zusammengesetzt ist, aber dennoch einen erstaunlich homogenen Charakter aufweist. Denn Juana Molina ist gelernte Multiinstrumentalistin, sie beherrscht Gitarre, Bass und Keyboards, vermag mit elektronischen Geräten genauso elegant umzugehen, wie mit den vielfältigen Mitteln der Postproduktion. Dennoch hat sie noch ein paar Herren mit auf dem Gehaltszettel, die sie mit zusätzlichen Instrumenten wie Synthies, weiteren Gitarren, Drums und Bass unterstützen.
„Halo” ist alles andere als ein gepflegter Freizeitrasen. Eher eine Spielwiese aus Musik-Metaphern und Klangbildern, eine Soundlandschaft also, über der nicht durchgängig die Sonne scheint, sondern April-Wetter herrscht. Man kann viel damit anfangen, vorausgesetzt man ist richtig angezogen bzw. hat ein offenes Ohr für skurril Gegenläufiges, munter Sprießendes und stimmungsvolle Magie. Letzteres untermalt durch die allgegenwätige Stimme Molinas, die mehr an eine Zauberfee aus Harry Potter erinnert, als an eine gestandene Porteña.

www.juanamolina.com