Neue Platten

Faber - Sei ein Faber im Wind

Genre: Singer/Songwriter
Label: Vertigo (Universal)
CD; VÖ: - 07.07.2017

In Zeiten der sommerlichen Promotion-Flaute kommt Faber gerade recht. Für dieses Album liefern wir mal ausnahmsweise so etwas wie eine kleine Bedienungsanleitung mit, denn damit wird hoffentlich sichergestellt, dass diesem Werk gebührender Respekt gezollt und entsprechende Wertschätzung zuteil werden.
Also: Die Anschaffung dieses Teils ist selbstredend. Sogar musikalisch eher etwas zurückhaltender gepolte Gelegenheitskonsumenten von Musik haben hier bei Testläufen erstaunlich positive Kommentare abgegeben. Der erste Hördurchgang sollte zudem immer mit Hilfe des Booklets vonstattengehen, denn nicht immer sind Fabers Texte (größtenteils wegen seiner sehr fleischigen bis ungeschliffenen Artikulation) akustisch auf Anhieb zu verstehen, wo seine Worte doch so ungemein fesselnd sind. Und man sollte unbedingt bis zum Schluss dranbleiben, denn auch musikalisch sind hier ein paar Widerhaken verbaut, die vielleicht erst mal etwas abschrecken könnten, aber immerhin ganz gut zum geboten Slam passen. Wenn diese beiden Schritte erfolgreich absolviert wurden und man den Wert dieser 13 Songs erkannt hat, beginnt die Kür dieser CD. Sie saugt sich im Kopf fest und man fängt langsam an, jeden Song als ein packendes und vor allem nonkonformistisches Statement zu begreifen. Wer diese Lyrik nicht mag, lebt eindeutig in einer verkehrten Welt.
Faber ist natürlich nur ein Alias. Faber heißt bei seiner Meldebehörde Julian Pollina, ist Schweizer aus Zürich, sein Vater ist der sizilianische Liedermacher Pippo Pollina. Faber hat also weniger etwas mit Getränken oder Schreibwaren zu tun, eher schon etwas von Max Frisch. Denn Fabers Texte und Fabers Musik gehören in die künstlerisch sperrige Ecke, speisen sich aus einer Mixtur aus Element of Crime, Beirut und Jacques Brel. Fabers in Teilen kaputte Poesie kann zuweilen etwas zarter besaitete Seelen verstören, liegt aber dermaßen im Guss der Zeit, dass selbst die Süddeutsche oder die ZEIT nicht umhinkonnten, ehrfürchtige Kommentare abzusetzen. Fabers Texte sind aber auch Ausdruck einer sehr empfindsamen Seele, die sich immer wieder mit Ruppigkeiten, explizitem Vokabular und Zeitgeist paart. Und genau die Mischung trifft einen im Mark und ist so gewaltig wie faszinierend.

www.fabersingt.com