Neue Platten

Molden, Resetarits, Soyka, Wirth - Yeah

Genre: Singer/Songwriter
Label: monkey.moods (Rough Trade)
CD; VÖ: - 28.04.2017

Leider schaffen es immer nur wenige österreichische Veröffentlichungen aus dem mundartlichen Bereich, den deutschen Donauäquator zu überqueren. Nur ganz selten hört man bei uns in nördlichen Radiostationen echten Wiener Schmäh und nur sehr spärlich züngeln Dialektbrocken von Wien bis Vorarlberg in den bundesrepublikanischen Raum hinein. Wenn es zum Beispiel ein Song wie „awarakadawara (wo san meine hawara)“ (hochdeutsch: abrakadabra, wo sind meine Kumpel) aus der hier vorliegenden CD „Yeah“ dann doch einmal bis in den Westdeutschen Rundfunk schafft, ist das sicher nur einem linguistisch ambitionierten Musikredakteur zu verdanken.
Schon der Wiener Dialekt an sich ist eine Wissenschaft für sich. Zwar gibt es schon lange entsprechende Wörterbücher, aber Klang und Eigensinn der Sprache kann man eigentlich nur live vor Ort aufschnappen und erfahren.
Wie ein akustisches Lehrstück mutet daher diese CD der Herren Molden, Resetarits, Soyka und Wirth an, allesamt langjährig erfahrene und vom Wiener Alltagsleben gezeichnete Künstlerfiguren. Ernst Molden schriftstellert und musikalisiert sich schon seit Ende der 90er durch das Lokalkolorit der Ösi-Hauptstadt und hat 2008 mit dem Doppelalbum „Wien“ der Donaustadt ein hörenswertes Denkmal gesetzt. Willi Resetarits ist schon seit den 80ern als „Ostbahn-Kurti“ bekannt und pflegt u.a. das Genre des Wienerlieds sowie den österreichischen Blues authentisch und aufopferungsvoll. Walther Soyka ist als Akkordeonist der „Extremschrammeln“ bekannt geworden und der Gitarrist Hannes Wirth ist seit 2008 in der Band von Ernst Molden beschäftigt.
„Yeah“ besteht aus 12 Songs, die natürlich alle aus der Feder von Ernst Molden stammen und selbstverständlich in herrlichem Dialekt die hellen und dunklen Ecken von Wien und Umgebung beleuchten. Mal humorvoll, mal melancholisch und meist auch mit dem für Wien so typischen morbiden Charme. Auch wenn die Themen der Songs zum Teil etwas old-school-nostalgisch oder leicht verschroben anmuten und die musikalischen Arrangements ein wenig ungelenk daherkommen, so ist „Yeah“auf seiner poetischen Seite doch ein absolutes Highlight. Als Verständnishilfe für alle Piefkes werden die Texte (in Lautsprache) mitgeliefert. Produziert hat mal wieder der Münchener DJ und Performer Kalle Laar, ein alter „Haberer“ des Quartets.

www.ernstmolden.at