Neue Platten

Gerald Clayton - Tributary Tales

Genre: Jazz
Label: Motéma Music (PIAS)
CD; VÖ: - 14.07.2017

Man kann durchaus von der Haartracht Gerald Claytons auf seine Musikalität schließen: unothrodox, wuselig, experimentell. Aber auch individuell, beachtenswert und kreativ.
Auf keinen Fall aber pflegeleicht. Clayton ist kein Pianist für die Lobby eines Wohlfühltempels, auch in einem Einkaufszentrum wäre er schnell seinen Job los. Er mag es lieber „offen“, er mag es, seine schwarzen Wurzeln mit Jazz, Rock, HipHop zu verknoten. Trotz kann er es sich nicht verkneifen, hin und wieder den alten Meistern respektvolle Zugeständnisse zu machen. Insofern kommt der Albumtitel also nicht von ungefähr.
Gerald Clayton lebt in der hektischen Stadt New York. Entsprechen nervös klingen die 14 Stücke, die nur wenig Raum für Kontemplation lassen. Mit spoken-word-Elementen, viel Perkussion und gleich drei Saxophonisten ist der Sound eher im Bereich „brodelnder Meltingpot-Improvisation“ anzusiedeln. Jazz für unerschrockene Abenteurer, die kein Problem damit haben, von einem Extrem ins andere zu fallen. Eine feste Choreographie sucht man bei diesem Album vergebens. Jeder Musiker verschafft seinem Individualismus Platz. Dass dann trotzdem etwas Greifbares dabei herausgekommen ist, ist der Professionalität der einzelnen Musiker zu verdanken, die im Big Apple durch eine intensive und abwechslungsreiche Schule gegangen sind.

www.geraldclayton.com