Neue Platten

Tingvall Trio - Cirklar

Genre: Jazz Piano
Label: Skip Records (Soulfood)
CD; VÖ: - 04.08.2017

Grundsätzlich ist es ja nicht verkehrt, sich immer mal wieder nach neuen Ufern umzuschauen. Bei Martin Tingvall, dem erfolgverwöhnten schwedischen Pianisten, war man bisher in Sachen jazziger Wohlklang in guten Händen. Verspielte bis romantisch-klare Stücke waren fast schon zu seinem Markenzeichen geworden. Auf dem Album „Cirklar“ dagegen merkt man allerdings, dass Tingvall, bedingt durch das Leben als Familienvater, auch hektischere Seiten hat. Stücken wie „Bumerang“ oder „Skånsk Blues“ zum Beispiel merkt man deutlich eine innere Unruhe an, die sich da ihre Bahn bricht. Treibendes Schlagzeug, das verstärkte Spiel mit Akkorden anstatt sanft dahingetupfter Einzelnoten ergeben einigermaßen nervöse Songs, die leider aber auch ein wenig beliebig und uninspiriert klingen, weil sie nicht selten an amerikanisches Mainstream-Piano erinnern. Viel besser dagegen der vorletzte Track „Karusellen“, der mit seiner federnd-leichtfüßigen Performance zu überzeugen vermag.
Von nordisch-kühler Romantik ist also nicht viel geblieben, auch wenn sich Tingvall ab und zu auf fast schon meditative Tempi einlässt, so beispielsweise beim Eröffnungstitel „Evighetsmaskinen“ (Ewigkeitsmaschine). Aber auch hier wirkt der ansonsten so agile Pianist seltsam kraftlos und verliert sich in nichtssagenden Pseudoharmonien. Es fällt diesmal schwer, wirklich tiefgehende Stücke auszumachen. In Frage kämen da eventuell der Titelsong „Cirklar“ oder „Psalm“, die eine verhaltene Melancholie verströmen und einfühlsam angelegt sind. Alles in allem also ein eher durchwachsenes Album mit nur wenigen Highlights. Tingvalls Kollegen sind hier der Kubaner Omar Rodriguez Calvo am Kontrabass und der Bremer Jürgen Spiegel am Schlagzeug.

www.tingvall-trio.de

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