Neue Platten

Rodach - Die Zeit ist rund

Genre: Gitarre Jazz
Label: Traumton (Indigo)
CD; VÖ: - 11.08.2017

Nach langer Zeit wieder mal ein Lebenszeichen vom Berliner Gitarristen Michael Rodach, der seit seinem ersten Album „Musik für Fische“ aus dem Jahr 1995 sozusagen als Urgestein des Traumton-Künstlerrosters gelten kann. Sein letztes solistisches Lebenszeichen „Seltsam erscheint unsere Lage“ kam immerhin schon 2009 heraus. Nach der seltsamen Lage von einst hat sich bei Rodach inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt: „Die Zeit ist rund“. Vermutlich auch deswegen, weil man im vorgerückten Alter die Dinge im Allgemeinen und das eigene Leben im Speziellen vielleicht nicht mehr ganz so kantig, dafür etwas geschmeidiger sieht.
Geblieben ist allerdings der Wunsch des Künstlers, seinem Publikum weiterhin das eigene breite Spektrum vorzuführen, aus dem sich die musikalische Gedankenwelt im Laufe der Zeit so zusammengesetzt hat. Und das ist neben einem jazzigen Grundtenor vor allem der Blues, der sich als beständigster Begleiter durch all die Jahrzehnte erwiesen hat und in Rodachs Kompositionen immer wieder zum Vorschein. Mal klar und deutlich (wie im J.L. Hooker-lastigen „Here Now“) oder mal eher versteckt (wie im Stück „Make It Rain“). Aber auch andere historische Einflüsse wie die Musik von Ry Cooder, Robert Fripp, Brian Eno oder die der Hippiezeit tauchen in den verschiedensten Anspielungen immer wieder auf. So schließt sich ein großer Kreis.
Was die unterschiedlichen Stimmungen der insgesamt 18 Kapitel angeht, so wechselt Michael Rodach von ausgesprochen klar durchstrukturierten Stücken mit viel Drive und Melodie immer wieder zu eher skizzenhaften und manchmal sogar etwas unfertig wirkenden Bildern, die ganze ohne Intro oder Outro auskommen. Dabei reicht die Energiepalette von zärtlich bis durchaus auch mal ruppig. Ein Sahnestückchen wie das fröhlich tänzelnde „Camping“ von der CD „Haus am Meer“ aus dem Jahr 1997 ist diesmal allerdings nicht zu finden.

www.michaelrodach.com