Neue Platten

Kookoon - Nightfall

Genre: Ambient Jazz
Label: Traumton (Indigo)
CD; VÖ: - 11.08.2017

Nach dem Urheberrecht hat ein Künstler das Recht festzulegen, unter welchem Namen (Pseudonym) er genannt werden will. Wolfgang Loos, seines Zeichens eine der beiden tragenden Produktions-Säulen des Berliner Traumton-Labels, hat für seine Aktivitäten als Musiker das Alias „Kookoon” ausgegeben und das nicht erst seit vorgestern. Ein erstes Highlight präsentierte er unter diesem Namen bereits 1996, also kurz nach Gründung des Labels. Das Album „High Wire” gehört, zumindest für unsere Redaktion, nach wie vor zu den besten Ambientscheiben ever.
Nach zwei weiteren Produktionen (Inner Earth, 1999 und Magnetic Moon, 2002) hat Kookoon nun sein viertes Album im Wärmflaschenformat fetiggestellt. „Nightfall” skizziert diverse gefühlige Zustände und Geschehnisse, die vorzugsweise der „blauen Stunde” zuzuordnen sind, also zwischen Dämmerung und Dunkelheit angesiedelt sind. Neben den bekannten und bewährten Keyboard-Sounds hat sich Kookoon mit ebenso bekannten und bewährten Kollegen umgeben, die mit ihm für sehnsuchtsvolle Momente sorgen. Michael Rodach an der Gitarre, Martin Klingenberg an der Trompete, Max Bendel an den Drums und David Friedman am Vibraphon lassen eine überaus entspannte Atmo aufkommen, die allerdings auch manchmal (so wie bei „The Nightowl“) etwas substanzlos flach und gefällig wirken. Gesellt sich allerdings das Vibraphon dazu, steigt der Geschmeidigkeitspegel spürbar an. Im großen und ganzen wirken fast alle Kompositionen ein wenig mehr aufgekratzt und lässig-relaxt, als das noch auf „High Wire” der Fall war. So ändern sich eben nicht nur die Zeiten, sondern auch die Sichtweisen. „Nightfall” kann aber dennoch überzeugen, allerdings nicht mehr so sehr durch seinen daunenweichen Charakter, vielmehr durch eine etwas jazzig-urbanere und dadurch etwas abgeklärtere Herangehensweise.

www.kookoon.de