Neue Platten

DeJohnette, Grenadier, Medeski, Scofield - Hudson

Genre: Jazz
Label: Motéma (PIAS)
CD; VÖ: - 18.08.2017

Kaum kommen bei einer Produktion ein paar bekannte Namen des Jazz zusammen, wird auch schon prompt von einer „Supergroup” schwadroniert. Eine Floskel so abgenudelt wie „Sommermärchen” oder „die Seele baumeln lassen”. Im Grunde genommen ist „Hudson“ aber nichts weiter als ein neues Projekt des über die Jahrzehnte gereiften US-Drummers Jack DeJohnette, ein Trommler vor dem Herrn, der immer wieder durch elastische Attraktionen überzeugen kann, trotz seines inzwischen leicht vorgerückten Alters von immerhin 75 Jahren (anno 2017). Aus Langeweile oder Rastlosigkeit - man weiß es nicht - hat er kurzerhand ein paar Alt-Kumpels angesimst, ob da nicht was Neues ginge. Dientspläne wurden abgeglichen und Urlaubstermine gesichtet. Und so ergab es sich, dass Bassist Larry Grenadier, Orgler John Medeski und Gitarrero John Scofield gerade mal Zeit hatten, um a) ein neues Tänzchen zu wagen und b) gleichzeitig auch noch einer gemeinsam und liebgewordenen Landschaft zu huldigen, dem Hudson-Valley, in dem die vier Jazzer zuhause sind.
Die Session selbst gehört natürlich und selbstredend zum Feinsten, was zwischen Jazz und Rock durch langjähriges Profitum und musikalischen Scharfsinn zustande kommen kann. Notgedrungen stehen die beiden Rhythmusgeber DeJohnette und Grenadier hier zwar etwas im Hintergrund. Dafür präsentieren sich die beiden Johns in Hochform. Medeski zieht alle nur denkbaren Keyboard-Register mit zarter und flinker Hand, Scofield klingt, als wäre er mit einem Schlag um zwanzig Jahre jünger geworden.
Gleich die Eröffnungs-Suite von knapp 11 Minuten offenbart mit aller Deutlichkeit, was musikalische Sozialisation so alles anrichten kann: Das Titelstück „Hudson” ist eine mustergültige Session im Bitches-Brew-Stil, nur dass hier eben die Trompete fehlt. Mit anderen Worten: Perfekter Jazzrock. Und auch Coverversionen wie Dylans „Lay Lady Lay” im Reggaetakt oder Joni Mitchells „Woodstock” schwelgen ganz im seligen Angedenken an die 70er, allerdings mit gänzlich zeitaktuellen Zutaten. Macht insgesamt 72 Minuten Spielzeit, die sich vollstens lohnen.

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