Neue Platten

Tori Amos - Native Invader

Genre: Pop
Label: Decca (Universal)
CD; VÖ: - 08.09.2017

Bei einem neuen Tori Amos-Album kann man sich nie so ganz sicher sein, ob und wie der Gaul der künstlerischen Kreativität mit der rotblonden Diva diesmal durchgegangen ist. Denn zieht man einmal ihren künstlerischen Gesamtauftritt in Betracht, wo alles, von Make-Up bis Schuhwerk, von Booklet-Artwork bis Bühnenauftritt, genauestens und sorgsam durcharrangiert wurde und manchmal sogar etwas überinszeniert scheint, nimmt es nicht Wunder, wenn unter Umständen der musikalische Output entsprechend schwer zu greifen ist (wie z.B. bei einigen Alben zu Anfang der 0er Jahre).
Umso freudiger ist man überrascht, wenn man den ersten Durchgang von „Native Invaders” hinter sich gebracht hat. Man mag es kaum glauben: gleich der erste Song erinnert in seiner Eindringlichkeit im Nu an Toris Anfänge, als einem bei Stücken wie „China” oder „Me And A Gun” (aus Little Earthquakes) wohlige Schauer über den Rücken liefen. Aber auch der Rest von „Native Invader” enttäuscht nicht. Alle 13 Titel sind auf einer Niveaustufe angesiedelt, nach der sich viele andere Künstler des Indie-Pop nur sehnen können. Vielleicht liegt es an den neuen Inspirationen, die zu diesem Werk geführt haben. Denn es sind Dinge, die der Künstlerin unter den Nägeln gebrannt zu haben scheinen: der fortschreitende Verfall unserer Umwelt und nicht zuletzt die desolate politische Situation in ihrer amerikanischen Heimat. Denn genau da hakt Tori Amos mit ihrer künstlerischen und emotionalen Intensität ein und setzt enorme kompositorische Kräfte frei, die sich, zu den Hörers Vorteil, in viele unterschiedliche Richtungen entfalten. Bestes Beispiel: „Up the Creek“, das eigentlich völlig untypisch für Amos, mit programmierten Beats, strammen Streichern und aufgekratzten Gitarren kokettiert und textlich eine Anklage gegen das Leugnen des Klimawandels ist.
Befürchtungen, dass sich Tori Amos hier vielleicht wieder mal verzettelt haben könnte, sind daher unangebracht. „Native Invader” ist jedem wärmstens ans Herz zu legen.

www.toriamos.com

Bereits hier besprochen:
Night of Hunters
Gold Dust